Lori Piestewa: verschwunden. Jessica Lynch: verschwunden. Shoshana Johnson: vom irakischen Fernsehen als Gefangene vorgeführt. All diese Geschichten erinnern Amerika plötzlich daran, dass die Streitkräfte sich dramatisch verändert haben: Diesmal stehen auch Frauen an der Front. Bis vor wenigen Jahren durften Frauen nur hinter der Front helfen, etwa als Krankenschwestern oder Logistikerinnen. Erst Präsident Bill Clinton hat 1994 die "Risiko-Regel" abgeschafft. Seither sind gut 90 Prozent aller Militär-Jobs für Frauen offen. Nur zu den Spezialkräften dürfen sie nicht, zur Infanterie, zur Artillerie und auf U-Boote. Doch sie fliegen Bomber über dem Irak und feuern Lenkwaffen von Kampfschiffen ab. 200000 Frauen dienen heute, 15 Prozent der kämpfenden Truppe.

Schon wenige Tage nach Kriegsbeginn sind mehr Frauen verschwunden oder in Gefangenschaft geraten als im letzten Golfkrieg, darunter alleinerziehende Mütter wie Piestewa und Johnson. Kämen sie nicht zurück, wären drei Kleinkinder Waisen. Sofort ist die nächste Diskussion entbrannt: Ist die Armee herzlos? In der Washington Post beschreibt ein Beamter aus dem Pentagon, vorsorglich anonym, wie sehr ihn jene Bilder von der Einschiffung nach Kuwait beunruhigen, die Soldatinnen beim Abschied von ihren Babys zeigen: "Wir sind doch die Vereinigten Staaten. Wie können wir so etwas von unseren jungen Frauen verlangen?" Die Antwort gibt Carolyn Becraft, die unter Präsident Clinton im Verteidigungsministerium arbeitete: "Dies ist eine Freiwilligenarmee. Es bleibt, wer will. Wer Kinder hat, muss trotzdem weltweit stationierbar sein."

Volle Gleichstellung werde in Wahrheit erst erreicht sein, argumentiert dagegen die Kolumnistin Anne Applebaum, wenn Unterschiedliches auch unterschiedlich behandelt werde. "Warum", fragt sie, "sollten alleinerziehende Mütter nicht aus dem Schussfeld genommen werden?"

Amerikas Friedensbewegung hat einen neuen Slogan: "Stop the lying, show the crying". Gemeint ist das Fernsehen. Es soll "aufhören zu lügen" und stattdessen "das Weinen zeigen". Vergangene Woche ist der Protest am Hauptstadtbüro von CNN angekommen. 20 Demonstranten stehen vor der Tür und verlangen, die Verantwortlichen zu sprechen. Doch die stellen sich taub. Nur aus der Kantine im Erdgeschoss schauen ein paar Journalisten gelangweilt zu, wie draußen Demonstranten Plakate schwenken. In der Hochhausschlucht verhallen die Proteste.

Vor der Tür wartet Yu-Lan Tu, eine 23-Jährige, die sich mit einem Konzeptpapier für das Gespräch mit dem Funkhauschef gewappnet hat. Nun steht sie da in ihrem rosa Strickpullover – rosa, weil ihre Gruppe Code Pink heißt. Sie probiert das erwünschte Streitgespräch mit dem CNN-Gewaltigen an dem Reporter aus Deutschland aus. "CNN soll aufhören, Propaganda zu senden", sagt sie.

Wieso Propaganda? Haben Sie den Eindruck, CNN sei für den Krieg?