"Klar. Obwohl die Friedensbewegung so groß ist wie seit dem Vietnamkrieg nicht mehr, berichten die fünf Sekunden am Tag darüber, den Rest über den Krieg."

Also kritisieren Sie nicht die Kriegsberichterstattung, sondern dass Sie selbst nicht genug Gehör finden?

"Nein. Die sollen aufhören, nur Generäle einzuladen, und stattdessen mal Experten der Friedensbewegung hören."

Womöglich sind die Demonstranten selber Opfer des Krieges und einfach ein bisschen zu spät dran. Der Krieg ist schneller, und mit ihm das Fernsehen. Während am Gebäude die Slogans der Friedensbewegten widerhallen, läuft in der Kantine auf zwei Bildschirmen das CNN-Programm. Zu sehen sind nicht mehr die Staubfahnen von Panzern bei ihrer Wettfahrt auf Bagdad, sondern ein Gefecht mit Saddam Husseins Guerillas. Vom Häuserkampf berichtet der Reporter und davon, dass den Truppen der Sprit, das Wasser und das Essen ausgehe.

Zu betrachten ist das Resultat des Versuchs, "die Medien zur Kriegswaffe zu machen". So nennt das Lucian Truscott, er ist Drehbuchautor und Absolvent der Militärakademie West Point. Nicht als Großzügigkeit oder Respekt vor der Pressefreiheit interpretiert er die Bereitschaft des Pentagon, 600 Reporter bei den Truppen aufzunehmen. Es sei vielmehr Teil der Kriegsstrategie gewesen, "die irakische Militärführung zu verunsichern und zu erschrecken". Die Botschaft sollte lauten: "Gebt auf! Opposition zwecklos! Wenn ihr uns nicht glaubt, schaltet einfach das Fernsehen an." Diese Strategie funktionierte nur 48 Stunden lang, so lange, wie es aus amerikanischer Sicht ein Krieg im Vorbeifahren war, ein drive by war.

Inzwischen kann die irakische Führung ihre Erfolge mit Genugtuung auf CNN betrachten. Beide Male wirkt das Fernsehen als Vergrößerungsglas: Ein Vormarsch wird schnell zum Durchmarsch, ein Rückschlag zur Niederlage.

Die Demonstranten verlassen den Vorplatz des CNN-Gebäudes am Ende nicht ohne Erfolg. Über die Monitore in der Kantine flimmert nach den Bildern vom Schlachtengetümmel eine Übertragung aus dem Verteidigungsministerium. Minutenlang steht der CNN-Korrespondent vor dem bekanntesten Dekorationsstück des Pentagon, dem marineblauen Vorhang im Pressesaal. Brav liest er vor, was ihm mundgerecht gereicht wurde, und liefert den Demonstranten so eine willkommene Vorlage. Im Schüttelreim rufen sie, CNN sei "im Bett mit dem Pentagon": "Objective news are dead and gone, you’re in bed with the Pentagon!"