Neunmal ist auf ihn geschossen worden. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt, und seine Mutter wurde ermordet, als er acht Jahre alt war.

Aufgewachsen ist er auf der Straße, sein Geld verdiente er sich mit dem Verkauf von Drogen. Hätte der New Yorker Rapper 50 Cent nicht all die Narben, die auf dem Cover seines neuen Albums Get Rich Or Die Tryin' (Shady Records/Interscope) zu sehen sind, und würde er nicht so schief grinsen, weil eine Kugel ihn am Kiefer traf, man könnte glauben, seine Plattenfirma hätte sich die Vita ausgedacht, um die seit dem gewaltsamen Tod Tupac Shakurs vakante Stelle des Über-Gangster-Rappers neu zu besetzen.

Die langen Jahre, in denen es im HipHop vor allem um die Zurschaustellung des eigenen Reichtums ging, scheinen die meisten Rapper vom mythenumkränzten Ursprungsort ihrer Musik entfremdet zu haben: der Straße. Dass vor einigen Wochen, eine Gewehrsalve in die Glastüren von 50 Cents Management-Agentur krachte, dürfte seiner Reputation als König der Straßen New Yorks nicht geschadet haben. Get Rich Or Die Tryin' schoss von null auf eins der amerikanischen Billboardcharts und hat in den drei Wochen seit ihrem Erscheinen fast zwei Millionen Exemplare verkauft.

50 Cent rappt mit der Abgeklärtheit desjenigen, den nichts mehr schrecken kann. "I feel mighty bulletproof right now", heißt es in If I Can't. Andere Stücke tragen Titel wie Many Men (Wish Death Upon Me), High All The Time oder Gotta Make It To Heaven. Doch lauscht man dem letzten Track, in dessen Refrain 50 Cent immer wieder "Gotta make it to heaven before I go to hell" vor sich hin murmelt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, es bei dieser Platte auch mit der Neuvertonung eines jener paranoiden Hollywoodfilme aus den Achtzigern zu tun zu haben, in denen Strafgefangene freigelassen werden, um dann zum Amüsement der Zuschauer vor der laufenden Kamera von Killerteams gejagt zu werden. Produziert wurde Get Rich Or Die Tryin' von Eminem und Dr. Dre, und die technoiden Beats rollen so unaufhaltsam wie der gepanzerte Jeep, in dem sich 50 Cent zu bewegen pflegt, unterbrochen von sporadischen Synthesizerfanfaren, die tatsächlich so klingen, als würde ein gehetzter Fliehender hochschrecken. Es gibt jedoch einen Unterschied: Anders als jene Filme ist Get Rich Or Die Tryin' kein kritischer Kommentar zur Gesellschaft des Spektakels im Speziellen oder zur Verkommenheit der Welt im Allgemeinen. Im Gegenteil, der Titel ist ernst gemeint. In einer grandiosen und gleichzeitig höchst korrupten Geste tiefen Einverstandenseins wird genau diese Welt von 50 Cent umarmt.