Vor zehn Jahren begann ein Münchner Allgemeinmediziner, am Monopol der Kassenärztlichen Vereinigung zu rütteln. Er gründete einen eigenen Bereitschaftsdienst: "Wir haben hier erhebliche Schwächen des kassenärztlichen Notfalldienstes hinsichtlich der Betreuung der Patienten festgestellt", erinnert sich Gründer Ingo Malm. Inzwischen arbeiten gut 40 Mediziner für die "Ärztlicher Bereitschaftsdienst München GbR".

Genau wie der Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayern ist dieser Service für Patienten gedacht, die außerhalb der Praxiszeiten Hilfe vom Hausarzt brauchen. Rund 1000 solcher Patienteneinsätze verzeichnen Malm und seine Kollegen Monat für Monat. Von der KV abgewandt haben sich dabei vor allem Altenheime und Pflegedienste. "Wenn dort ein Problem wie zum Beispiel ungewöhnlich hoher Blutdruck auftritt", erläutert Malm, "dann ist es für die Pfleger wichtig, dass sie einer gleichmäßigen Versorgung sicher sein können.

Aber weil jeder in München niedergelassene Internist oder Allgemeinmediziner zur Teilnahme am Bereitschaftsdienst der KV verpflichtet ist, ergibt sich ein Wirrwarr an Behandlungsmethoden." Um beim Beispiel Bluthochdruck zu bleiben: Hier müssten die Pfleger laut Malm beim KV-Dienst auch mit Extremen rechnen - "bis hin zu einer Münchner Ärztin, die jede Krankheit auspendelt".

Gleichbleibender Service ist das eine Argument des privaten Münchner Bereitschaftsdienstes. Das zweite ist heikler und sorgt für juristischen Dauerkrieg: Die Privaten sind billiger als der Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung. Bei der KV müssen die Kassen auch die Fahrt zum Patienten und die Call-Center, bei denen die Hilferufe eingehen, bezuschussen. Hinzu kommt, dass Malm und seine Kollegen 30 Prozent weniger Patienten ins Krankenhaus einweisen als die KV. Hier greife eine weitere Idee, die zur Gründung des Dienstes geführt habe, wie der 47-Jährige darlegt: "Ein Arzt ist zum Beispiel bei einem Patienten im Altenheim. Er legt ihm eine Infusion an und gibt an die Zentrale weiter, dass nach zwölf Stunden noch mal ein Arzt vorbeifährt, um sich den Patienten anzuschauen. Das ziehen wir notfalls bis zum Erreichen des Hausarztes auch übers ganze Wochenende durch." Und das spart der Kasse den teuren Wochenendaufenthalt in der Klinik.

Für den einzelnen Patienten macht es im Übrigen laut Malm keinen Unterschied, an welchen Notdienst er sich wendet. Die Sätze seien dieselben und würden von der Kasse getragen. Der Dienst sei zwar privat organisiert, aber ausdrücklich nicht für Privatpatienten reserviert.

Erstaunlicherweise tun die Krankenkassen trotzdem nichts, um den günstigen Anbieter gegen die Anfechtungen seitens der KV aus der Münchner Arabellastraße zu verteidigen. "Mit allen Mitteln" gehe man bei der Kassenärztlichen Vereinigung gegen die Konkurrenz vor. Derzeit wolle die KV den Namen "Ärztlicher Bereitschaftsdienst München" und dessen Telefonnummern verbieten lassen. Schon 1997 sei ein Streit vor dem Bundesgerichtshof gelandet - die KV verlor. Damit nicht genug: "Ganz aktuell versuchen sie, mir die Zulassung als Kassenarzt entziehen zu lassen - jetzt will die KV an meine Existenz."

Diesen Gegenwind fürchten offenbar viele seiner Kollegen. Schon erreichen ihn Vorwürfe aus der Münchner Ärzteschaft, er wolle den Notdienst kaputtmachen.