Bagdad

Wir müssen mit schwereren Bombardements rechnen. Saddam Hussein ist wieder auf den Bildschirmen erschienen. Er hat dem irakischen Volk den Sieg im Dschihad gegen den Ungläubigen Bush versprochen. Doch ein Bauer aus Kerbala stiehlt ihm die Show. Er erscheint gleich nach Saddam Hussein auf dem Bildschirm, mit einer Kefije, dem traditionellen Kopftuch, und einem Jagdgewehr steht er neben einem hypermodernen amerikanischen Apache-Kampfhubschrauber. Der Bauer soll ihn abgeschossen haben. Er wird als Held gefeiert. Sein Beispiel hat die Widerstandsmoral der Iraker weit mehr gestärkt als der Auftritt Saddam Husseins.

Dienstag, 25. März

Die Fenster meines Zimmers waren bis vor kurzem nur leicht gesplittert. Die dauernden und immer näher kommenden Raketeneinschläge haben jetzt tiefe Risse im Glas geöffnet. Ich habe Angst, dass mir die Scherben bald um die Ohren fliegen werden. Ich besorge mir zusätzliches Klebeband.

Draußen ist es dunkel. Ich kann kaum etwas sehen. Selbst die Natur ist entfesselt. Es ist, als wollte sie einen Vorgeschmack auf die Apokalypse geben: Mittags verfinstert sich der Himmel plötzlich. Ein Sandsturm und ein schweres Gewitter folgen. Dann regnet es Schlamm. Die Luft kann man nicht mehr einatmen. Sie ist voller Staub und voll Rauch von dem Öl, das seit einigen Tagen in den um die Stadt gezogenen Gräben brennt. Alles ist vernebelt. Man kann Menschen und Dinge nicht mehr unterscheiden. Die Blitze verwechselt man mit den Leuchtspurgeschossen, das Gewittergrollen mit den Explosionen. Seit zehn Jahren hat es hier keinen solchen Sturm gegeben. Für die Gläubigen ist es ein Zeichen Allahs. Der Sturm verzögert den Vormarsch der Angloamerikaner.

Wir konnten nicht glauben, dass das Hotel Raschid in das Zielkreuz einer Rakete kommen sollte. Als uns ein amerikanischer Kollege warnt, dass das Raschid in dieser Nacht bombardiert werden soll, wollen wir das Schicksal nicht herausfordern.