Judith Mauel, 28, hatte sich an der RWTH Aachen auf Abfallentsorgung und Aufbereitungstechnik spezialisiert. Katja Obergfell, 32, und Christian Axmann, 34, studierten Maschinenbau in Karlsruhe und München. Heute arbeiten die drei Ingenieure in Unternehmensberatungen – was sie selbst ein bisschen überrascht. "Daran hätte ich während des Studiums nie gedacht", sagt Judith Mauel. Doch während sie ihre Diplomarbeit schrieb, wurde sie durch einen Workshop auf Booz Allen Hamilton aufmerksam, ihren heutigen Arbeitgeber. Es war Liebe auf den ersten Blick: "Ich habe mich nirgendwo anders beworben oder informiert."

Für Katja Obergfell führte der Weg nach der Promotion direkt zu McKinsey. Sie wollte schnell Einblick in die Wirtschaft bekommen: "Weil man so sehr technisch orientiert ist, hat man als Ingenieur oft Defizite, wenn es darum geht, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen", sagt sie. Für Ingenieure, die sich nicht allein als reine Entwickler oder Konstrukteure sehen, biete der Job in der Unternehmensberatung viele Vorteile, findet auch Christian Axmann. Seine Erfahrung:"Es gibt kein anderes Berufsbild, das einen in den verschiedensten Bereichen und Industrien so schnell in Kontakt mit unternehmerischen Fragestellungen bringt."

Crashkurse in Sachen Wirtschaft

Tatsächlich irrt, wer in einer Unternehmensberatung lediglich Wirtschaftswissenschaftler wähnt: Sie machen nur etwa die Hälfte der Mitarbeiter aus. Je nach Consulting-Unternehmen entfällt ein Viertel auf Ingenieure – Wirtschaftsingenieure werden mal der einen, mal der anderen Gruppe zugerechnet. Der Rest rekrutiert sich aus Geistes- und Naturwissenschaftlern, aber auch von Balletttänzern und Neurochirurgen wird berichtet. Das fehlende wirtschaftliche Wissen wird den angehenden Unternehmensberatern in zwei- bis dreiwöchigen Crashkursen, so genannten Mini-MBAs, vermittelt. Ingenieure, die schon während des Studiums wissen, dass sie in diesen Bereich gehen, können sich zudem an vielen Hochschulen für ein wirtschaftswissenschaftliches Zusatzstudium für Ingenieure einschreiben.

Inwieweit das im Studium erworbene Fachwissen später eingesetzt werden kann, ist sehr unterschiedlich. Judith Mauel hat ihre Kenntnisse der Entsorgungstechnik bislang noch nicht angewendet: "Aber was ich brauche, ist das methodische Wissen: Wie managt man Projekte? Mein Studium war sehr managementlastig, weil Abfallentsorgung in Deutschland viel mit Regularien zu tun hat." In ihrem bisher einzigen Auftrag aus dem Ingenieurbereich ging es um Züge – ansonsten: öffentlicher Sektor, Telekommunikations- und Pharmaindustrie. "Man soll am Anfang möglichst viele verschiedene Eindrücke bekommen, Methoden, Verfahren lernen, bevor man sich in eine Richtung entwickelt", sagt Mauel.

Trotz Krise gibt es neue Stellen

Für Christian Axmann hat der fachliche Hintergrund dagegen eine große Bedeutung. Er habe rund 70 Prozent seiner Projekte für Unternehmen durchgeführt, die technische Produkte herstellen. Dabei habe er sein Ingenieurswissen gut nützen können. "Ich habe zum Beispiel die Verlagerung und das Outsourcing von Anlagen und Fertigungsprozessen geplant. Dafür war meine Ausbildung natürlich höchst relevant."

Ob das Fachwissen gefordert wird, hängt von der Klientel der jeweiligen Unternehmensberatung ab und von der Motivation des Mitarbeiters: Will er neue Gebiete kennen lernen oder sein Ingenieurwissen vertiefen? "Wir arbeiten alle drei bis sechs Monate an einem neuen Projekt. Die sind sehr unterschiedlich in der Ausrichtung. Mal bringe ich meinen Ingenieur-Background mehr ein, mal unterscheidet sich meine Arbeit nicht so sehr von der eines Kollegen, der Wirtschaftswissenschaft studiert hat", sagt Katja Obergfell. "Es ist nicht so, dass ich meinen Ingenieurkittel abgestreift habe und damit nichts mehr zu tun habe. Was man als Ingenieur lernt, sind die Liebe zu den Zahlen und das strukturierte Arbeiten." Das technische Verständnis sei durchaus gefragt. Vielen sei "nicht klar, dass wir nicht nur Strategieberatung machen, sondern auch die operativen Bereiche bearbeiten und Ingenieure willkommene Ansprechpartner für die Unternehmen sind".