Vor fünf Jahren, als Arnulf Conradi den Berlin Verlag an den Bertelsmann-Konzern verkaufte, galt dies als Schreckenszeichen. Heute, da er seinen Verlag zurückgekauft hat (mithilfe eines noch unbenannten Geldgebers), gilt es als Hoffnungszeichen. So wie der Verlag Frederking & Thaler, den Bertelsmann kürzlich ebenfalls in die Freiheit entließ. Die Konzerne werfen Ballast ab, und siehe da: Der Ballast kann schwimmen.

Vor fünf Jahren sah man in literarisch ambitionierten Verlagen eine bedrohte Art. Die Buchbranche, so hörte man überall, befinde sich in einer Krise, die Preisbindung drohe zu fallen, und Conradi sagte damals, ein so kleiner Verlag (etwa zehn Millionen Mark Umsatz) könne auf Dauer nicht überleben.

Bertelsmann versprach ihm verlegerische Selbstständigkeit und einen langen Atem. Conradi fand das Angebot "unwiderstehlich". Also warf er sich in die Arme des Riesen, erhielt den historisch-politischen Sachbuchverlag Siedler als Dreingabe und später eine eigene Taschenbuchreihe.

Heute, fünf Jahre später, gelten literarisch ambitionierte Verlage noch immer als bedroht. Die Krise in der Buchbranche hat sich, so hört man überall, verschärft. Nun ereilt sie auch den Riesen. Konnte er früher mit Geld um sich werfen, so hält er es jetzt eisern beisammen. Der lange Atem war sehr kurz, und Conradi bekam, wie er heute sagt, die "Bertelsmann-Maßstäbe" zu spüren.

Das sind keine literarischen Maßstäbe, sondern solche der Rendite. Der Unterschied ist einfach: Ein literarischer Verleger macht gute Bücher und hofft, dass er Geld damit verdient. Zuweilen verdient er Geld. Ein Konzern macht Bücher, damit er Geld verdient, und hofft, dass sie gut sind. Zuweilen sind sie gut.

Der Berlin Verlag hatte, als er 1994 von Conradi gegründet wurde, einen furiosen Start. Mit Autoren wie Richard Ford, James Salter oder Péter Esterházy, Ingo Schulze, Susanne Riedel oder Zeruya Shalev errang er den Beifall der Kritiker wie der Leser. Conradi, ehemals Cheflektor bei S.

Fischer, ist ein Mann mit Charme und Geschmack, allerdings ohne Ausdauer.