Nein, er gibt sich nicht dem Tagesgeschehen hin. Dieser Versuchung widersteht der schlaksige, stimmgewaltige, gescheite, mit einem deutschen und mehreren österreichischen Kabarett-Förderpreisen ausgezeichnete Wiener Severin Groebner. Kein Bush-Witz, keine Blair-Anspielung. Und man ertappt sich dabei, wie man eben doch genau darauf wartet, so ganz unentspannt im Hier und Jetzt an diesem Premierenabend in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. "So schlecht wie die Zeiten sind, so gut bin ich nicht", sagt Groebner. Und in diesen Zeiten des zwangslustigen Infotainments, Edutainments und Politainments lädt er in seinem neuesten Programm Ganz im Ernst zu einer Geschichte des Humors in 120 Minuten. Diese Geschichte ist die Menschheitsgeschichte, und in der entdeckt Groebner nichts als Spaßmacher, Scherzbolde und Komiker. Zwar war Platon noch eher humorlos: "Sein einziger guter Witz war die Erfindung der platonischen Liebe." Aber lustiger wurde es schon bei Cäsar, einem "Ein-Personen-Witz in der dritten Person", und die Völkerwanderung ist "das erste Massen-Entertainment der Geschichte". So geht's weiter, der Parforceritt durch die Geschichte endet irgendwo im Führerhauptquartier bei der beliebten "Scherzstaffel" SS und wird geschickt gekoppelt mit Geschichten aus dem Alltag eines gebeutelten Kabarettisten.

Auch hier: Gedankenblitze, die einschlagen - Aperçus, die man sich merkt, z.

B. "Porno auf Videovorlauf ist wie die sexuellen Fantasien von Charlie Chaplin." Das alles rahmt Groebner dann noch in ein Vor- und Nachspiel auf dem Theater: "Oh Publikum, oh Publikum, sei doch so gut und sei nicht dumm", als dichterische Kreuzung aus Max und Faust und Moritz. Spätestens hier wird "Groebners Unfug" dann doch etwas langatmig, und der Kabarettist verliert sich im Grenzgebiet zwischen Dada und Kalau - zwischen Wahn und Witz und in der Fülle seines (Menschen-)Materials. Zwar hat Groebner schon Recht: "Ein großer Horizont ist keine Augenkrankheit" - aber er kann eben doch den Blickwinkel sprengen. So wird sich dieser geistreiche Künstler in Zukunft entscheiden müssen zwischen "wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen" oder schlichtem less is more. Zurzeit neigt er noch zu Ersterem.