Die von Ihnen kritisierten Wertmaßstäbe sind nicht nur in den Klassenzimmern deutscher Schulen anzutreffen, sondern leider auch in der öffentlichen Meinung, vielfach gestützt durch die Medien. So hörte ich unlängst im Radio einen Bericht zum Thema Schuleschwänzen, verbunden mit dem Aufruf an besagte Zielgruppe, im Sender anzurufen, um Tricks und Erfahrungen kundzutun. Eine Schülerin hatte die Courage, dem Moderator zu berichten, sie ginge gerne zur Schule und habe noch niemals geschwänzt - die Antwort kam prompt: "Was bist du denn für eine Streberin?"

Solange solche Werte weiter verbreitet werden, wird sich an der vorherrschenden "Verliebtheit ins Mittelmaß" nichts ändern.

Verena Kloeters, Paderborn

Zu den Erinnerungen an meine eigene Schulzeit gesellen sich jetzt Erfahrungen aus dem Hochschulbereich: Eine Studentin, die ich bei der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen hatte und die dort als Stipendiatin aufgenommen wurde, bat mich, es unter ihren Mitstudierenden "niemandem zu verraten", weil sie Neid und Ausgrenzung fürchtet. Und das wohl nicht einmal grundlos.

Man muss ja nicht gleich student of the month-Fotos in den Institutsflur hängen - aber solange Wissenserwerb und (Lern-)Leistung immer nur mit Zwang und Arbeit, aber nie auch mit Spaß und Gewinn verknüpft sein dürfen, solange es Studenten vor Kommilitonen "peinlich" ist, zuzugeben, dass sie sich aus Interesse ein Buch ausgeliehen und sogar gelesen haben, so lange sollte man sich auch nicht wundern, wenn immer weniger Menschen Lust auf Leistung(en) haben.

Die neue Hochschulkultur, die zunehmend nach der unmittelbaren ökonomischen Verwertbarkeit von Wissen und Wissenserwerb fragt ("Welche Bücher muss ich unbedingt lesen, um mein Studium schnell abzuschließen und einen guten Job zu bekommen?") und dabei nur vordergründig Leistung fördert, trägt hier im Übrigen das ihrige bei.

Prof. Dagmar Schütte Düsseldorf