Jahrelang, ach was, jahrzehntelang galten Kneippsche Anwendungen, Kurhäuser und Kurorte als unmodern, ja geradezu uncool. Kneipp – das war etwas für alte Leute, die sich abwechselnd kaltes und warmes Wasser über die Waden gossen und danach eine halbe Stunde spazieren gingen. Kneipp hatte ein Imageproblem.

Das soll sich ändern. Gerade wird der Bad Wörishofener Pfarrer Sebastian Kneipp ( Sein Leben ) als Begründer des ganzheitlichen Denkens entdeckt. Statt Wellness sprechen sie von Kneippness. Ganzheitliches Denken klingt wirklich gut und soll jene Klientel ansprechen, die sich bisher eher von Ayurveda, Reiki, Qi Gong und Shiatsu angezogen fühlte. Der gute Kneipp hat in seinem Fünf-Säulen-Konzept an alles gedacht: ausreichende Bewegung, heilsame Kräuter, gesunde Ernährung, die Kraft des Wassers und die richtige Lebensordnung. Also schwitzten wir beim Holzhacken ( Fast so wie Tortenschneiden ), schauten im Ochsenfurter Kneipp-Werk zu, wie aus Omas Sanddorn goldfarbenes Badeöl wurde ( Frische Natur vom Fließband ), verzichteten im Restaurant auf das Salz in der Suppe ( Und das soll gesund sein? ), traten mit Bertolt Brecht Wasser ( Sauberer Rückzug ) und meckerten wie eine Ziege im Lachkurs nach Kneipp ( Einfach locker machen ).