Lange hat es gedauert, jetzt sind sich die Europäer einig: Ab 2008 soll das europäische Schienennetz für die Eisenbahnen aller EU-Länder offen sein. Verhindert hatte das bisher eine Reihe von Regierungen, die ihre Staatsbahnen vor Konkurrenz schützen wollte (ZEIT Nr. 14/03). Doch nun haben die europäischen Verkehrsminister ein klares Ziel vor Augen: Dank offener Grenzen soll künftig mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden.

Für Hartmut Mehdorn, den Chef der Deutschen Bahn AG, ist das die Erfüllung einer alten Forderung - und eine Chance: "Je mehr die Märkte für den Wettbewerb geöffnet werden, desto besser können wir unsere internationale Konkurrenzfähigkeit unter Beweis stellen."

Mehr Wettbewerb? Das hält die für die Bahn zuständige Gewerkschaft Transnet offensichtlich für eine Zumutung. Ihr Vorsitzender Norbert Hansen jammert: "Nach unserer Auffassung kommt diese Liberalisierung zu früh." Er lehnt eine Öffnung des Marktes ohne soziale Absicherung für das Personal ab. Und ein "Freibrief oder Indiz" für die Verlagerung von Transporten auf die Schiene sei die Liberalisierung schon gar nicht. Fehlt nur die logische Folgerung: Zurück zur Bundesbahn, und Grenzen dicht!