Wenn Tiere sich zerfleischen, fragen Beobachter gern: Warum lässt Gott das zu? Wenn Völker sich zerfleischen, fragen Beobachter gern: Auf wessen Seite steht Gott? Frage eins richtet sich an die Naturwissenschaftler. Der Biologe Richard Dawkins schreibt: "Es ist, als wäre der Gepard von der einen und die Antilope von einer konkurrierenden Gottheit gestaltet worden. Wenn es aber nur einen Schöpfer gibt, was für ein Spiel spielt er dann? Ist er ein Sadist, der Spaß an blutigen Wettkämpfen hat?"

Widmen wir uns Frage zwei, dem Kampf der Staaten gegen die Staaten. Der ist ein Fall fürs Völkerrecht - und für die Literatur.

Im Sommer 1969 sitzt Harry "Rabbit" Angstrom, Held der Rabbit-Romantetralogie des Schriftstellers John Updike, in einer Kneipe in Pennsylvania und macht sich Gedanken über Gott, Amerika und den Rest der Welt:

"Amerika", denkt Rabbit, "steht über der Macht, weit darüber, es handelt wie im Traum, als Offenbarung eines der Gesichter Gottes. Wo Amerika ist, ist Freiheit, und wo Amerika nicht ist, herrscht kettenrasselnder Irrsinn und würgende Finsternis über Millionen. Unter Amerikas beharrlichen Bombenflugzeugen wäre das Paradies wiederherstellbar."

Rabbit ist ein archetypischer Amerikaner voller Glücksgier und Todesfurcht.

Weil er gern rammelt und oft flieht, hat er den Künstlernamen "Kaninchen". Er sucht Erfüllung und findet nur Sex. Im letzten Rabbit-Roman stirbt er unerlöst, jedoch heiter, 56 Jahre alt.

Der Roman, aus dem wir zitieren, ist der zweite der Tetralogie, Rabbit Redux.