Mit den Palästinensern ist kein Staat zu machen. Wenn sie nicht schweigen, dann schreien sie sich an. Wenn sie weder schweigen noch schreien, dann werfen sie dem Nachbarn den Müll in den Garten. Sie führen einen Krieg im Krieg. Etwas schnürt ihnen die Kehle zu, und so gehen sie sich an den Hals. Ein Junge kommt vorbei, und ein verrückter Alter zersticht mit dem Küchenmesser seinen Ball. Andere warten auf den Bus, wo keine Busse fahren. Sie warten auf die Liebe, wo es keine gibt. Sie sind wie traumatisierte Kinder, die sich die alten Wunden aufreißen. Ein Mann, dessen Besitz gepfändet wurde, erleidet eine Herzattacke. Ein verkleideter Nikolaus läuft einen Berg hinauf. In seinem Leib steckt ein Messer.

Auch mit den Israelis ist kein Staat zu machen. Sie sind ebenfalls verrückt, nur auf ihre Weise. Sie sind unfreie Freie und Opfer ihrer Paranoia. Brutal demütigt ein betrunkener Soldat Palästinenser an einem Kontrollpunkt, zerrt sie aus dem Auto und zwingt sie zu einem nationalistischen Tanz. Es ist die reine Willkür und doch nichts als schlotternde Angst. Ein Polizist steht mitten in Jerusalem, und eine Touristin fragt ihn nach dem Weg. Welchem Weg? Die Himmelsrichtung ist gleichgültig. Aus dieser Welt gibt es kein Entkommen. Die Palästinenser sitzen im Gefängnis, und die Israelis sitzen ebenfalls im Gefängnis. Jeder hält jeden in Schach, und alle versäumen dabei das Leben. Die Israelis haben zwar die Macht, aber sie führen sich auf, als seien sie von den Palästinensern verhext worden. "I put a spell on you." Nur die biblische Landschaft ist schön wie am ersten Tag.

Elia Suleimans Film Göttliche Einmischung, der in Cannes den Preis der Jury erhalten hat, steht im Verdacht, ein palästinensisches Propagandawerk zu sein. Zum Oscar-Wettbewerb wurde er erst gar nicht zugelassen. Es stimmt, palästinensischer Terror kommt darin nicht vor, und doch ist diese Gesellschaft bis in die Ritzen angefüllt mit Gewalt. Auch Zwietracht und Depression, die Suleiman mit seinem wunderbaren, schier unbesiegbaren Humor beschreibt, sind Formen der Gewalt. Überall ist eine große Müdigkeit, und nichts gelingt. Die Liebe zwischen einer in Ramallah lebenden Palästinenserin (Manal Khader) und einem Palästinenser aus Nazareth (Elia Suleiman) bleibt unerfüllt. Im Nahen Osten hat die Geschichte aufgehört zu existieren, und alles Leben steht mit dem Rücken zur Wand. Das Gelobte Land ist eine neurotische Zone, ein gefrorenes Chaos oder, wie Suleiman sagt, eine Welt wie im Alten Testament. Es herrscht Feindschaft wie am Anfang der Zeit.

Göttliche Einmischung hat eine einfache Botschaft und eine einfache Frage. Wenn alle verhext sind, wer löst den Bann? Wie durchbricht man den Teufelskreis aus Rache und Vergeltung, ohne neue Gewalt zu erzeugen? Den Fantasien des Helden gelingt dies jedenfalls nicht, denn sie verbleiben im Bannkreis der Gewalt. Darin fliegt ein israelischer Panzer in die Luft, und der melancholische Held träumt, wie seine Geliebte als bewaffneter Engel, stark wie eine Ninjakämpferin, isralische Elitesoldaten niederstreckt.

Das ist die ins Burleske gewendete Fantasie einer Figur, es ist aber nicht die Hoffnung des Films. Weil Suleiman weiß, dass für einen zerstörten Panzer zwei neue anrollen, klammert er sich an Zeichen, von denen keine Macht ausgeht, die nichts erzwingen und doch den Bann brechen. Diese Art Einmischung ist "göttlich" und doch ganz von dieser Welt. Einmal schwebt die palästinensische Geliebte wie ein Supermodel auf einen israelischen Kontrollposten zu, die Soldaten entsichern ihre Waffen, sie hebt die Sonnenbrille und blickt ihnen in die Augen – sie "erscheint" den Soldaten und verwandelt sie auf der Stelle. Vor der Macht der Schönheit streckt alle Gewalt die Waffen. So träumt Suleiman vom Gegenzauber des Pop, der den Fluch fortnimmt, aber nicht durch Gewalt, sondern durch Verführung und eine Schönheit, die ihren flüchtigen Sinn ganz in sich selbst selbst trägt und vom Zwang erlöst, den eigenen Hass im Gesicht des anderen zu spiegeln.

So weit die Hoffnung. Während der Dreharbeiten bricht die zweite Intifada aus. Die letzte Szene zeigt einen Schnellkochtopf, der Druck steigt und steigt. Keiner greift ein.