Die Welt blickt nach China – aber sie fährt nicht hin. Ursprünglich wollte das World Economic Forum, das für seine jährlichen Tagungen im schweizerischen Davos bekannt ist, Mitte April ein Gipfeltreffen in Peking abhalten. Daraus wird nichts. "Wir haben entschieden, das Treffen bis September oder Oktober zu verschieben", bestätigte der Sprecher des Forums, Alessandro Sofia. Man wolle "unnötige Risiken" durch die Lungenkrankheit vermeiden. Das chinesische Außenministerium bemüht sich um Schadensbegrenzung. Peking sei immer noch "ein sicherer Ort", teilte es am Dienstag mit. Ob das nun stimmt oder nicht, ist inzwischen unerheblich. Die Lungenkrankheit SARS hat längst den ganzen Erdteil im Griff.

"SARS kann die asiatischen Ökonomien in die Rezession stürzen", warnt Andy Xie von der Investmentbank Morgan Stanley in Hongkong. Der Aktienindex Hang Seng ist Anfang der Woche auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren gefallen. Die Krankheit, sagt Xie, sei möglicherweise "das schlimmste Ereignis seit der asiatischen Finanzkrise". Er könnte Recht behalten, wenn die Touristen wegbleiben. Die haben nämlich die Region bisher vor der Rezession bewahrt. Innerhalb eines einzigen Jahres vervierfachten sich die Besucherzahlen in China: 16,6 Millionen Menschen kamen im vergangenen Jahr ins Land, jeder zweite Reisende wollte nach Hongkong. Dort ist der Tourismus für fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.

Im März waren die Hotels der Stadt schlechter ausgelastet als sonst, teilte die Hoteliersvereinigung von Hongkong mit. Im Durchschnitt hätten acht von zehn Betten nicht belegt werden können. Auch in den nächsten Monaten werden die Besucherzahlen immer noch ein Drittel unter dem normalen Niveau liegen, erwartet die Deutsche Bank.

Einen Vorgeschmack hat der Investmentbanker Xie erlebt, als er am vergangenen Wochenende mit dem Flugzeug von London nach Hongkong unterwegs war. Seine Maschine sei fast leer gewesen, "bestenfalls zehn Prozent Auslastung". An der Börse hatten Fluggesellschaften bereits zu leiden. Die Aktienkurse der in Hongkong ansässigen Cathay Pacific brachen in wenigen Tagen um 13 Prozent ein. Am Montag teilte das Unternehmen offiziell mit, es werde den Flugverkehr innerhalb Asiens drastisch einschränken und Tokyo, Singapur und Bangkok seltener anfliegen. "Das sind vorübergehende Maßnahmen", sagt Planungsdirektor Augustus Tang bei Cathay Pacific. Doch er verzichtet so auf vier Prozent der weltweiten Passagierkapazitäten.

Manch hiesiges Unternehmen verstärkt die Krise und entzieht der Region Besucher und den Fluggesellschaften Passagiere. Die Deutsche Post hat gerade sämtliche Dienstreisen nach China, Vietnam, Singapur und Hongkong gestrichen. Auch bei ihren privaten Reisen sollen die Beschäftigten möglichst zurückhaltend sein.