Der Krieg ist "ein wahres Chamäleon", weil er "in jedem konkreten Fall seine Natur" ändere, bemerkte Carl von Clausewitz in seinem Buch Vom Kriege aus dem Jahr 1832 (hrsg. von Ulrich Marwedel - Reclam, Stuttgart 1994 - 413 S., 9,60 e). Tatsächlich sind die militärischen Planungen oft von der Kriegsrealität selbst widerlegt worden, und so mancher Politiker, der zum Kriege trieb, hat dies im Nachhinein bedauert.

Eine hervorragende Einführung in die Thematik bietet Andreas Herberg-Rothe: Der Krieg (Geschichte und Gegenwart - Campus, Frankfurt am Main 2003 - 154 S., 12,90 e) Anknüpfend an Clausewitz, schildert der Berliner Sozialwissenschaftler, wie der Krieg im Laufe der letzten Jahrhunderte sein Gesicht verändert hat. Dabei bezieht er auch Bürgerkriege und nichtstaatliche Konflikte in die Untersuchung ein.

Wird der von der Bush-Regierung und ihren Vasallen angezettelte Angriffskrieg gegen den Irak zur Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts, wie der vom deutschen Kaiserreich 1914 angezettelte Erste Weltkrieg die Urkatastrophe des 20.

Jahrhunderts wurde? Welche Orgien der Gewalt damals entfesselt wurden und wie viele Opfer sie kosteten, bilanziert Volker Berghahn, Historiker an der New Yorker Columbia University: Europa im Zeitalter der Weltkriege (Fischer Taschenbuch Verlag - Reihe Europäische Geschichte - Frankfurt am Main 2002 - 205 S., 10,90 e).

Kriege brechen nicht aus wie Naturereignisse, sie werden von Regierungen gemacht, wobei die Öffentlichkeit zumeist über die wahren Motive getäuscht wird. Einen nützlichen Überblick über die historischen Ursachen von Staatenkonflikten gibt der von Bernd Wegner, Historiker an der Hamburger Universität der Bundeswehr, herausgegebene Band: Wie Kriege entstehen (Schöningh, 2. Aufl, Paderborn 2003 - 378 S., 44,- e). Dass es leichter ist, Kriege zu beginnen, als Frieden zu schließen und eine stabile Nachkriegsordnung zu schaffen, belegt der vom selben Historiker betreute Sammelband: Wie Kriege enden (Wege zum Frieden von der Antike bis zur Gegenwart - Schöningh, Paderborn 2002 - 385 S., 41,- e). Wie rasch sich militärische Siege in Niederlagen, also in Pyrrhussiege, verwandeln können, zeigt der amerikanische Autor Edward Luttwak in einer anregenden Streitschrift: Strategie (Die Logik von Krieg und Frieden - Verlag zu Klampen, Lüneburg 2003 - 356 S., 34,- e).

Der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler sieht ein Zeitalter neuer internationaler Konflikte heraufziehen, in denen die klaren Unterscheidungen zwischen Krieg und Frieden, Kombattanten und Nichtkombattanten, zulässiger und unzulässiger Gewalt sich verflüchtigen: Die neuen Kriege (Rowohlt Verlag, Reinbek 2002 - 288 S., 19,90 e). Die internationale Dimension der "neuen Kriege" betont auch Ignacio Ramonet: Kriege des 21. Jahrhunderts (Die Welt vor neuen Bedrohungen - Rotpunkt Verlag, Zürich 2003 - 217 S., 19,80 e). Der Autor, einer der Gründungsväter von Attac, verweist auf den strukturellen Zusammenhang von Terrorismus und neoliberaler Globalisierung.

In seinem neuen Buch erklärt der amerikanische Philosoph Michael Walzer, warum er zwar für eine Intervention im Kosovo-Konflikt war, aber nicht für einen Krieg gegen Saddam Hussein ohne UN-Mandat ist: Erklärte Kriege - Kriegserklärungen (EVA - Hamburg 2003 - 197 S., 14,80 e). Dass der Irak-Krieg nur der Auftakt sei für eine Serie weiterer, schrecklicher Kriege, die auf die Weltherrschaft im Zeichen einer Pax Americana ziele, davon ist der marxistische Publizist Robert Kurz überzeugt: Weltordnungskrieg (Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung - Horlemann Verlag, Honnef 2003 - 447 S., 19,80 e). Wer hätte gedacht, dass linke Imperialismus-Kritik noch einmal eine solche Renaissance erleben könnte! Für den italienischen Journalisten Giulietto Chiesa steht fest, dass der "Endkampf" des US-Imperialismus um die Weltherrschaft gegen China geführt werden solle. Die europäischen Staaten müssten sich mit Russland und China zusammenschließen, um den wild gewordenen Hegemon in die Schranken zu verweisen: Das Zeitalter des Imperiums (Europas Rolle im Kampf um die Weltherrschaft - EVA, Hamburg 2003 - 230 S., 15,90 e).