General Colin Powell, US-Außenminister, wusste schon zu Beginn des ersten Golfkrieges 1991: "Wenn alle Truppen in Bewegung sind und die Kommandeure an alles gedacht haben, richte deine Aufmerksamkeit auf das Fernsehen, denn du kannst die Schlacht gewinnen oder den Krieg verlieren, wenn du mit der Story nicht richtig umgehst." Auch im neuen Krieg gegen den Irak gilt diese Maxime.

Kriege werden an der Front geführt, aber zu Hause gewonnen – oder verloren. Das zeigte auch die Erfahrung von Somalia: Die Clinton-Regierung beendete den Einsatz 1993 dort sehr schnell, nachdem Fernsehbilder auftauchten, auf denen tote GIs durch die Straßen von Mogadischu geschleift wurden. Für den Erfolg eines Krieges ist nicht nur die Stärke des Militärapparates ausschlaggebend, sondern auch, dass es gelingt, die Kontrolle über die Informationen – das heißt über die Bilder zu behalten, sie gezielt zu steuern, zu streuen oder zu verknappen.

Für die Medien, die heute über den Irak-Krieg berichten, ist das eine heikle Situation. Zwar war das Informationsbedürfnis des Publikums nie größer, aber nur selten können Journalisten ihre Informationen als vollständig, solide recherchiert und mit sicherer Beurteilung präsentieren. Reporter, die sich im Irak aufhalten, berichten von erheblichen Restriktionen auf amerikanischer, ebenso auf irakischer Seite. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Pressezensur und Propaganda an beiden Fronten machen es nahezu unmöglich, unabhängig zu recherchieren, ungehindert Filmaufnahmen zu machen oder Informationen der Kriegsparteien zu überprüfen.

Die meisten Journalisten, die aus der Kriegsregion berichten, beobachten den Krieg aus den Nachbarländern Kuwait, Qatar oder Jordanien, jedenfalls weitab vom Geschehen. Ihre Informationen über das vermeintliche Geschehen an der Front erhalten sie von den Briten oder Amerikanern in täglichen Presse-Briefings. Die Chance, sie zu verifizieren, ist gleich null. Noch weniger sind die Kollegen, die sich direkt in Bagdad aufhalten, in der Lage, sich ein objektives und umfassendes Bild vom Kriegsgeschehen zu machen. Denn Journalisten werden in der Regel auf Schritt und Tritt von Saddam Husseins Informationsministerium überwacht. Ins Ausland übertragene Berichte und Bilder werden zensiert.

Die Explosionen waren echt. Aber gab es überhaupt einen Gegner?

Auch die ausgewählten Journalisten, die den Truppenvormarsch der Briten und Amerikaner begleiten dürfen, stecken im Sumpf der Propaganda: Das von den PR-Strategen des Pentagon erdachte Unwort embedded journalists – "eingebettete Journalisten" – drückt den Status der Kriegsreporter aus: Sie werden mit Nachrichten versorgt von der Truppe, die sie begleiten. Sie reportieren nur das, was die Armee ihnen vorführt. Zwar bekommen sie Bilder und Informationen aus erster Hand, doch überprüfbar sind beispielsweise Angaben zu Opfern oder militärischen Erfolgen beziehungsweise Misserfolgen kaum. Im Gegenteil: Die Nähe zu den Soldaten bindet – auch emotional. Die "eingebetteten Journalisten" teilen mit den Soldaten bald nicht nur das Zelt in der Wüste, sondern irgendwann auch die Sicht auf die Dinge. Kein Wunder, dass einige Berichte von der Front denn auch Distanz vermissen ließen.

Spektakulär war der Bericht eines Kollegen von der BBC, der während eines Bodentruppen-Angriffs auf ein irakisches Dorf live aus dem Straßengraben berichtete. Die Explosionen und Rauchschwaden waren echt. Aber wo war der Gegner? Man sah ihn nicht. Alles nur Inszenierung? Und waren wirklich 6000 irakische Soldaten übergelaufen, wie es in den ersten Kriegstagen hieß? Oder war auch dies nur eine von den Amerikanern lancierte Nachricht? Was an diesem Krieg ist Show, was Realität?

Bereits im Vorfeld des Krieges waren einige grobe Fälschungen durch britische und amerikanische Geheimdienste aufgeflogen. Die Briten machten sich zum Gespött, als durchsickerte, dass es sich bei einem Papier, das angeblich den irakischen Besitz von Massenvernichtungswaffen dokumentierte, um Auszüge aus der Magisterarbeit eines Studenten handelte. Bereits 1999 soll der britische Geheimdienst nach Informationen der Süddeutschen Zeitung damit begonnen haben, zweifelhaftes Material über den Irak an ausgewählte Journalisten in Europa und den USA zu verteilen. Das sind Propagandamethoden, die in amerikanischen Geheimdienstkreisen als active measures bezeichnet werden.