Georges Bataille: Die Freundschaft und Das Halleluja (Atheologische Summe II) - Matthes & Seitz, München 2002 - 302 S., 34,- e

Der Krieg, die Erotik, die Religion - sie stiften die Freundschaft. Aber nicht als ungetrübtes Wohlgefühl. Durch die Freundschaft geht ein Riss. Angst und Tod bedrohen sie und fordern sie heraus. Bomben fallen auf Kinder, Frauen, alte Leute, Soldaten werden zerrissen, Paris wird kampflos übergeben.

Die Menschen fliehen. Zwischen ihnen sucht Georges Bataille nach Freundschaft, Liebe, Geborgenheit.

Als Autor von Romanen und philosophischen Werken verflicht Bataille (1897 bis 1962), ein bizarrer Denker jenseits von Surrealismus, Existenzialismus und Strukturalismus, intimste erotische und religiöse Erfahrungen in eine ekstatische Lebensphilosophie. In häufig aphoristischem Stil verfolgt er in seinen großen Werken, etwa in Der verfemte Teil - Versuch einer allgemeinen Ökonomie (1949) oder Der heilige Eros (1957), zentrale philosophische und soziale Fragen wie die Rolle der Verschwendung in der Ökonomie oder die Funktion des Tabus zwischen Religion und Erotik.

Die Freundschaft veröffentlichte Bataille 1944. An diesem sehr persönlichen, überaus erotischen, aber auch hochphilosophischen Tagebuch hat er seit September 1939 geschrieben. Verzweifelt wehrt er sich dagegen, dass der Krieg alles in Dienst stellt. Er flüchtet in spöttische Ausgelassenheit, in die wilde Nacktheit der schönen Hure, in die Unmöglichkeit, an Gott zu glauben, mit ihm mystisch eins zu werden, wie er gleichzeitig der Traurigkeit verfällt, in die ihn die kriegerischen Zeiten hineinreißen.

Solche Unvollkommenheit ermöglicht Kommunikation, die perfekten Menschen mangelt. Sie braucht die offene Wunde, die Verletzung, die Menschen für Freundschaft öffnet. Doch die Welt ist schon voller Wunden, die jetzt der Krieg neu aufreißt. Mag er damit auch die Freundschaft fördern, die Freude, die der Mensch in ihr findet, bleibt umso schwankender und gefährdeter.

Bataille verzweifelt - doch mit ironischer Leichtigkeit: Ein hochaktueller Beitrag zum drängenden Problem Freundschaft, in einer Welt, in der die Institution Ehe verblasst, in der Krieg geführt wird.