In der Kölner Kulturszene gärt es ja eigentlich immer – im Positiven wie im Negativen. Derzeit sorgen die für die nächsten drei Jahre angekündigten Kultur-Einsparungen der Stadt in Höhe von rund 500 Millionen Euro für Aufregung. Auch die Künste wird das kalt erwischen. Als "manisch-depressiv" bezeichnen Insider die Stimmung in der Domstadt. Kathrin Rhomberg etwa, die Leiterin des Kölnischen Kunstvereins, soll in diesem Jahr 40000 Euro einsparen – und im kommenden Jahr ihr eigenes Direktorinnengehalt. Sie ist nicht die Einzige, die ihrer eigenen Wegrationalisierung und der ihres Hauses entgegensieht: "Jetzt hat auch der Letzte den Ernst der Lage begriffen."

Eigentlich erfährt die Stadt aus ihren Bürgerkreisen Rückhalt für die Kultur, und Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer verficht energisch die Strategie: "Kein Haus schließen, keine geltenden Verträge brechen". Doch kunstfeindliche Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat machen es ihr nicht eben leicht.

Der diesjährige Kölner Kunstmessen-Auftakt steht somit unter keinem guten Stern. Statt bei den Vernissagen der 34. Westdeutschen Kunst Messe mit Antiquitäten, Kunsthandwerk und Gemälden (5.–13. April), der KunstKöln (Editionen, Art Brut, Fotografie, 5.–9. April) und der Antiquariatsmesse (4.–6. April) zu flanieren und zu feiern, heben die Kölner denn auch lieber ihre Sorgen im Museum Ludwig (4. April) aufs Krisenpodium. Das Motto der Veranstaltung: Kunststadt Köln: Anspruch und Wirklichkeit. Es ist die dritte Zusammenkunft kollektiven Weinens innerhalb weniger Wochen.

Gespart werden muss auch in anderen Kommunen, aber der Pegel der Aufregung ist in Köln möglicherweise deshalb höher, weil man sich hier seit Ende der sechziger Jahre des Prädikats "deutsche Kunst- und Kunstmarktmetropole" so sicher war und nicht begreifen wollte, dass eine solche Position konstruktiv erhalten werden muss und nicht zerredet werden darf.

Werden die öffentlichen Institutionen in ihren Spielräumen eingeschränkt, ist davon auch der Handel betroffen. In jüngster Zeit haben die Galerien in Köln der allgemeinen Flaute allerdings noch einmal kräftig getrotzt. "ads 1a" steht für ein im September 2002 eröffnetes Galeriehaus in einem ehemaligen Umspannwerk nahe dem Rhein. Luis Campaña, Vera Gliem, die ursprünglich in Stuttgart ansässige Galerie Hammelehle und Ahrens sowie die auf Fotografie spezialisierte Sabine Schmidt veranstalten dort im Verband mit zwei Projekträumen gemeinsame Ausstellungen ( www.haah.de ).

Erst knapp drei Monate in Betrieb ist das Forum Kunst und Fotografie in der Südstadt, zu dessen Eröffnungen rund 2500 Besucher strömten. Auf tausend Quadratmetern Fläche gruppieren sich um einen Innenhof die Galerien Thomas Zander und Rolf Hengesbach, drei Fotostiftungen von Rang sowie ein Redaktionsbüro. Eine lebendige Mischung, die sich gut in die zeitgemäße Architektur einfügt. "40 Besucher am Tag", sagt Thomas Zander, "das beweist, dass man auch in schlechten Zeiten etwas machen kann und nicht nur lamentieren muss" ( www.galeriezander.com ).

Das sind die Energien, die Köln immer stark gemacht haben. Nicht nur der Galerist Michael Kewenig wünscht sich, dass man sie in der Stadt stärker zur Kenntnis nähme und fruchtbarer machte. Jule und Michael Kewenig haben im Februar dieses Jahres, nachdem sie viele Jahre auf Haus Bitz in Frechen ansässig waren, ihre Galerieaktivitäten in die Innenstadt verlegt. Am Appellhofplatz wird jetzt ein internationales Programm realisiert, zur Eröffnung der großzügigen Räume zeigte man jüngere Arbeiten des Belgiers Panamarenko, und als Nächstes sollen Skulpturen von Ulrich Rückriem folgen ( www.kewenig.com ).

Während also auf den Kölner Podien lamentiert und gefordert wird, sehen die rund 300 Händler der drei Messen in den Kölner Rheinhallen der Kauffreudigkeit des Publikums mit einiger Verhaltenheit entgegen. Dieser etwas bemühte Zusammenschluss von gepflegtem Mittelmaß ( www.koelnmesse.de ) lässt die Kölner Galeristen übrigens eher kalt, sie streiten in verschiedenen Fraktionen unter anderem darüber, wie der Standort Köln als Kunststadt aufzupolieren wäre.