An der Tür hängen zwei gelbe Luftballons, na, das ist gut, sagt Martina Jentzsch, Direktorin des Kneippkurhotels Heikenberg, hier wird es lustig. Frau Jentzsch ist zufrieden, das sieht man, sie streicht mit beiden Händen über ihr rosafarbenes Jackett. "Noch was zu trinken vielleicht? Ein Wasser? Ja? Bitte schön. Man muss ja mal feststellen, Kneipp ist nicht mehr Kneipp heutzutage." Ne? "Nein." Muss man mal feststellen. Warum nicht? Sie schiebt ihren Kopf in den Nacken: "Weil wir heute andere Sachen versuchen." Weg vom Image, dass Kneipp nur noch etwas für alte Leutchen sei. "Man muss was Neues ausprobieren." Die richtige Stimmung transportieren, eine tolle Lebenseinstellung, solche Dinge, einfach mal fröhlich in den Frühling gehen. Das gehöre ja auch zu Kneipp. "Kneipp hat schließlich gesagt, gesund ist nur, wer körperlich und seelisch im Gleichgewicht ist." Harmonisch leben, Stress vermeiden – "Und wie kann man das erreichen, wenn nicht durch Lachen?" Durch Lachen mit Kneipp.

Und dass der Pfarrer ein richtiger Spaßvogel war, hat er schon vor circa 120 Jahren bewiesen, als er anekdotete: "Ja, wenn’s Weibervolk einmal d’Hosa anzieht, dann – Gott sei gnädig – ist’s a Elend, wie nicht einmal – verzeih’s mir Gott! – die Pest." Insofern kann es nur lustig werden beim Lachkurs im Kurhotel Heikenberg (130 Betten, ganzjährig geöffnet, Nichtraucherhaus!) in Bad Lauterberg (13000 Einwohner, ehemalige Bergarbeiterstadt, zigtausend Urlauber jährlich), Harz. "Viel Spaß dann", wünscht Martina Jentzsch, stößt die Tür auf, die Luftballons wackeln und, wumms!, ist die Tür wieder zu und man selbst mittendrin.

Gut.

Ein kleiner Raum. An der Wand lehnt ein Bild mit einem bunten Clown darauf, ein paar Schilder stehen wie zufällig drapiert, auf denen kann man lesen: "Lächle in die Welt, und sie lächelt zurück", "Lächle über deinen Nächsten wie über dich selbst". Wir sind 15 Leute, im Alter zwischen 30 und 70, wir sitzen im Kreis, das ist gut für die Gruppendynamik, und unsere Lachtrainerin heißt Heide Marie Wahl.

"Heide Marie reicht aber", sagt Heide Marie, "wir können uns duzen." Heide Marie steht vor uns und schreibt unsere Namen auf eine Papiertafel: Alois und Margarethe, Heinz und Renate (nennen wir sie so) und und und. Heide Marie sagt, sie sei Lachtrainerin geworden, weil sie halt gern lache, was man schon an ihrer Vita sehen könne, die sie natürlich sofort preisgibt: "Geboren 1945, elftes von elf Kindern, wir hatten immer viel zu lachen, können Sie sich ja denken, aber dann der Beruf, Sekretärin, da war’s dann nicht mehr so lustig, ich merkte, dass ich nur noch funktioniere, deshalb bin ich auch Heilpraktikerin geworden, weil ich Menschen helfen wollte, das ist das Schönste überhaupt." Dabei hat sie das Lachen entdeckt. Bei Madan Kataria, dem indischen Lachguru. Ihrem Lehrer. Der lacht zusammen mit Tausenden seiner Anhänger am Strand von Bombay. Macht dort Übungen, die wir jetzt auch machen werden, aber erst mal gehen wir es ruhig an beziehungsweise ziehen uns die Schuhe aus. Frau Wahl sagt: "Wir machen uns jetzt mal locker." Ein Blick in die Runde zeigt: ist vielleicht nötig.

Dann treten wir, leicht missmutig dreinschauend, gegen rote, blaue, grüne Luftballons, die vor uns liegen. Die Ballons fliegen durch die Luft, und schon kichern wir. Heiterkeit kommt auf, Gesichter erröten, weil das ja ein bisschen peinlich ist, wenn erwachsene Menschen im Kreis sitzen und gegen bunte Luftballons treten, nur weil sie vor ihnen liegen. Heide Marie Wahl findet’s gut. Wir auch. Irgendwie.

Danach sind wir aufgewärmt, wohl aber noch nicht richtig, deshalb singen wir jetzt ein Lied. "Ich mach’s mal kurz vor", sagt Heide Marie, "das ist ganz einfach."

Sie singt: "Wie macht die Ziehiehiege?"

Wir singen: "Mähähä, mähähä."

Sie sagt: "Das ist schon sehr schön, aber das können wir besser, das machen wir jetzt mal im Kanon. Die linke Seite fängt an."

Unser Lied dauert zwei Minuten, was in so einem Fall recht lange ist. Mähähä, draußen Harzer Berge, Einfamilienhäuser mit roten Schindeln, die im Sonnenlicht glänzen, und wir hier im Kreis, singend und schon ganz schön locker. "Sehr gut", sagt unsere Lachtrainerin.