Aus aktuellem Anlass weisen wir darauf hin, dass die Zeitmessung sehr wahrscheinlich im Irak erfunden wurde. Damals hieß die Gegend Mesopotamien, und sie haben Sonnenuhren genommen, nachts dagegen und ab Sandsturmstärke acht nahmen sie Wasseruhren.

Zuerst haben mesopotamische Spezialisten den Tag vorsichtig in sechs gleiche Teile zerschnitten, diese Teile nannten sie "Sussu". Denn es gibt die helle und die dunkle Zeit des Tages, und jedes Ding auf Erden hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Deswegen müssen es bei logischer Herangehensweise genau sechs Teile sein. Die Mesopotamier schickten einander Tontäfelchen mit der Aufschrift: "Wir waren morgen zu Beginn des vierten Sussu verabredet, nicht wahr?" Im Laufe der Jahrtausende aber fand auch in Mesopotamien eine gewisse Beschleunigung statt. Höhere Ansprüche, Fortschritt, mehr Stress. Der Mesopotamier wollte es genauer wissen. Mesopotamische Gelehrte machten die Entdeckung, dass man einen Sussu auch wieder in zwei gleiche Teile zerschneiden kann. Ein halber Sussu wurde "Kasbu" genannt. Zwölf Kasbu, ein Tag. Deshalb hat unsere Uhr bis zum heutigen Tag zwölf Ziffern.

Der Fortschritt sagt aber nie: "Danke, ich bin satt." Der Fortschritt ruft immer: "Zugabe!" Einige Jahrhunderte nach der Erfindung des Kasbu zerlegten mesopotamische Zeitchirurgen in einer aufwändigen Operation den Kasbu in dreißig unglaublich winzige Teile und nannten diese fast unsichtbaren Splitterchen "Us". Ein Us, vier Minuten. Bald darauf ging das mesopotamische Reich unter. Man kann sagen, dass sich die Ungeduld in der Geschichte nicht bewährt hat.

Der geduldigste Mensch der Welt aber war ein Inder. Er hieß Bodhidharma und wanderte in China umher, wieso gerade dort, weiß ich auch nicht. Bodhidharma setzte sich eines Tages zur Meditation nieder und meditierte so ausdauernd, dass sich sein Schatten in den Fels einbrannte und chinesische Vögel auf seinen Schultern Nester bauten. Nachdem er seine Meditation beendet hatte, gründete er die Denkschule, welche heute Zen-Buddhismus heißt. Bodhidharmas Jünger gründeten eine Schule von Kampfmönchen, die so genannten Shaolin. Ein Shaolin musste in der Lage sein, mit einem einzelnen Finger eine Wand zu durchstoßen. Er musste auch an einer glühenden Schaufel lecken können. Außerdem musste der Shaolin 36 Punkte des Körpers kennen, an denen man einen Gegner mit einer einzigen Berührung betäuben oder töten kann.

Es ist ein bisschen peinlich, darüber zu reden, aber die Shaolin-Mönche hatten eine sonderbare Angewohnheit oder auch masochistische Fixierung. Sie pflegten an ihren Hoden mit Seilen oder Stricken zentnerschwere Felsbrocken zu befestigen und diese mit den Hoden vom Boden hochzuheben. Wenn die Leute "Zugabe!" riefen, leckten sie gleichzeitig auch noch an der glühenden Schaufel. So wollten sie aller Welt zeigen, dass sie eine starke Persönlichkeit besitzen und mit ihnen nicht gut Kirschen essen ist. Solche Sachen schafften sie, indem sie ihre gesamten Lebensenergie, das Qi, auf eine einzige Stelle des Körpers konzentrierten, in dem beschriebenen Fall vermutlich die Hoden. Diese Methode heißt Qi Gong.

An zu viel Ungeduld können Weltreiche kaputtgehen. Zu viel Geduld aber ist eindeutig schlimmer, denn die Menschen werden dadurch sonderlich im Kopf und neigen zu autoaggressiven Sexualpraktiken. Merken Sie sich das gut.