Die deutschen Anleger können einem leid tun. Wohin sie ihr Geld auch tragen, die Renditen schrumpfen. Bei Aktien sind sie seit drei Jahren negativ, zehnjährige Staatsanleihen werfen nicht mal mehr vier Prozent ab, und jetzt betteln auch noch die Lebensversicherer beim Gesetzgeber darum, dass ihr Garantiezins gesenkt wird. Er soll ab 2004 um einen halben Prozentpunkt auf 2,75 Prozent schrumpfen.

Ärgerlich? Ja, aber Schimpfen ist zwecklos. Auch Lebensversicherer wollen - und sollen - leben. Der Mindestzins wird nicht gesenkt, weil die Versicherer sich in die Krise spekuliert haben, sondern weil sich die Zinsen verflüchtigen.

Das mag den Kunden ihren Spaß am Vorsorgen verderben. Warum sollen sie auf Konsum verzichten, wenn morgen nicht viel mehr herausschaut? Und sie hätten in zweifacher Weise Recht damit. In der Höhe des Zinses drückt sich nicht nur ihre persönliche Rendite, sondern auch künftiges Wachstum aus. Der Zins ist das gesellschaftliche Maß zur Bewertung der Zukunft. Ein in Richtung null marschierender Zins (Japan lässt grüßen) kündigt bleierne Zeiten an.

Ohne Zins und Zukunft aber stirbt der kapitalistische Motor ab. Was liegt da näher, als ein paar Fläschchen Bordeaux zu konsumieren. Im Hier und Jetzt. Da gibt es wenigstens noch zweistellige Prozente - garantiert.