"... bis 35 Jahre", so endet häufig der kritische Satz in Stellenanzeigen. Gemäß dem grassierenden Jugendwahn werde zwar Erfahrung und gute Ausbildung vorausgesetzt, nur, bitte schön, sollten die Kandidaten dabei nicht gealtert sein. Arbeitssuchende und Wechselwillige, die schon die 40 hinter sich haben, brauchen oft gar nicht in die einschlägigen Rubriken zu schauen. Doch zumindest ein Unternehmen schlägt jetzt andere Wege ein. "Senioren gesucht" ließ Michael Stoschek, geschäftsführender Gesellschafter der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG im nordbayerischen Coburg ganzseitige Anzeigen in großen Blättern wie der Süddeutschen Zeitung oder der FAZ überschreiben.

Ausdrücklich wird dort nach "älteren erfahrenen Entscheidungsträgern ab 45 Jahren" gesucht.

In der hart umkämpften Kfz-Zulieferbranche sei die richtige Mischung aus jüngeren Mitarbeitern und erfahrenen Kräften wichtig, sagt der 54-jährige Firmenchef. Und er habe für seine expansive Unternehmensgruppe einfach nicht genügend Führungskräfte aus dem eigenen Nachwuchs zur Verfügung. Für jüngere externe Kandidaten seien häufig bekannte börsennotierte Konzerne in den Metropolen die erste Wahl, erläutert Stoschek seine Beweggründe. Dabei ist das Familienunternehmen aus der bayerischen Provinz längst selbst ein Global Player im Kfz-Zulieferergeschäft. Rund 7000 Beschäftigte in aller Welt schafften im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Euro Umsatz. Und so hat Brose auch in England, Tschechien oder den USA Jobs zu vergeben. Vielleicht hat Stoschek auch am eigenen Beispiel gemerkt, wie fit man jenseits der 50 noch sein kann. Schließlich tritt er in seiner Freizeit nicht nur in Rallyes, sondern auch beim Springreiten gegen Profis an - mit Erfolg übrigens.