Halabdscha

Drei Tage und Nächte, von Freitag bis Montag, hat die Schlacht in den Schinerve-Bergen bei Halabdscha im Nordirak gedauert. Auf der einen Seite standen rund 1000 islamistische Kämpfer, unter ihnen etwa 150 Afghanistan-Mudschaheddin der Terrorgruppe al-Qaida. Auf der anderen Seite kämpften kurdische Peschmerga zusammen mit 100 Soldaten der amerikanischen Special Forces.

Unter dem Schutz der US-Eliteeinheit durchkämmen seit einigen Tagen Ermittler von CIA und FBI das Gebiet der islamistischen Bewegung Ansar-e Islam im Nordosten des Iraks. Ihr Auftrag: Alles sicherzustellen, was belegen könnte, dass diese Gruppe tatsächlich in den Bergen Kurdistans mit chemischen und biologischen Kampfstoffen gearbeitet und experimentiert hat. Was die islamistischen Kämpfer bei ihrer Flucht nach der Schlacht in den Schinerve-Bergen zurücklassen mussten, beweist zumindest eines: dass die Gerüchte und Vermutungen, dass Ansar-e Islam chemische und biologische Substanzen testet, nicht völlig grundlos gewesen sind.

Tipps zum Bombenbau

In einem primitiven Labor der Islamisten, direkt an der Grenzlinie zum Iran, stehen Hunderte Flaschen mit Aceton. Der Herkunftsort laut Etikett: Bagdad. Daneben werden in einer hermetisch verschlossenen Plastiktonne 30 Kilogramm Kaliumzyanid aufbewahrt. In dem Raum hängt ein penetranter, etwas bitterer Geruch. Überall liegen chemische Mess-geräte, Laborausrüstungen und Gasmasken herum, auch Unmengen an russischer Munition, russischen Granaten und Raketen sowie ein halbes Dutzend Gürtel für Selbstmordattentäter, die mit dem Plastiksprengstoff C4 gefüllt sind.

Besonders brisant ist der Fund eines Handbuches, in dem auf über 50 Seiten die exakte Anleitung zum Bau von chemischen Bomben und Granaten dargeboten wird. Aus Namenslisten und einem weiteren Handbuch geht hervor, dass Islamisten aus aller Welt in jeweils dreimonatigen Trainingskursen in den Bergen Kurdistans ausgebildet wurden. Die Schüler kamen auch aus Frankreich, Deutschland und den Niederlanden. Sowohl die Namensliste als auch die Handbücher liegen der ZEIT vor.

Dass dieses Labor kein Einzelfall ist – darauf deuten die Aussagen von Bewohnern aus Dörfern hin, in denen die Ansar-Kämpfer ihre Lager unterhielten. Kurz vor dem Beginn der Kämpfe gegen die Peschmerga und Special Forces, berichten sie, seien große Teile der Kampfstoffvorräte unter der Führung iranischer Pasdaran in den Iran geschafft worden. Ansar-e Islam habe die Labors zerstört.

Raketen aus Deutschland