Sein Held beginnt Golf zu spielen, das nennt er eine Initiation in das kleine Dasein, das man für das große Leben hält - er jettet durch die Welt und sagt, ein Kontinent pro Tag, das ist unsre Zeit - er verliebt sich gründlich und sagt, die Liebe nimmt viel Zeit in Anspruch, deswegen blüht sie besser in der Provinz - und er küsst und sagt, Worte sind für jene geschaffen, die sich nichts zu sagen haben - er lebt mit seiner Geliebten zusammen und sagt, das war es noch nicht, das war nur Glüc k - und er sagt, man kann nicht leidenschaftlich und gut erzogen zugleich sein. Und man sieht zweierlei, erstens, dass der Autor ein großes Vergnügen an weltmännischen Sentenzen hat, aber zweitens, dass offenbar seinem Helden das ganze weltmännische Gehabe nichts nützt, sondern dass ihn, über Golf und Küsse und jenes bloße Glück, irgendetwas, Leidenschaft wohl, aus der Bahn werfen wird - und dass dann auch dem Autor kaum noch seine Sentenzen helfen werden, zumal da er als sein eigner Held figuriert. Zwar erzählt er seine Geschichte als eine, die dreißig Jahre zurückliegt, aber als er jetzt zurückkehrt nach Afrika, wo sie damals gespielt hat, nimmt sie ihn in der Erinnerung doch noch einmal so mit, dass sie wenigstens seine Erzählung, seine inzwischen so gelassene Haltung noch einmal deutlich tangiert.

Der Erzähler ist Paul Morand, reich, ein Diplomat, mit einer der schönsten Frauen des damaligen vornehmen Paris verheiratet, Diplomat für die Vichy-Regierung auch während der Okkupation. Statt mit Proust dinierte er dann mit Ernst Jünger (der ja auch, wenn er erzählt, das Sentenzenmachen nicht lassen kann). Seine großen literarischen Erfolge hatte Morand in seinen jüngeren Jahren, diesen kleinen Roman über eine erotische Besessenheit schrieb er 1953, 65-jährig (er wurde 88).

Sein Held, das erzählende Ich, leitet in den zwanziger Jahren eine französische Bankfiliale in Nordafrika und nimmt sich, aus Langeweile, und um mitzuspielen in der großen Welt, in der das alle tun, eine Geliebte, keine Schönheit, sagt er, wenig dran auch sonst, aber alles klappt, bis hin ins Glück, wie gesagt. Und dann merkt er, dass er der Frau eigentlich gar nicht auf den Grund kommt - er inszeniert eine ganze Woche puren Sex, beide machen sich kaputt (an dieser einzigen Stelle, sehr kalkuliert, gibt der Autor seine sonst so distanzierte Attitüde auf zugunsten hautnaher Details), und ihm wird klar, dass seine Geliebte, das zeigen ihm ihre Träume, in denen sie sich ganz anders erregt und dann auch redet, tagsüber und allein Lüsten nachjagt, von denen er offenbar keine Vorstellung hat - einmal s ieht er, sie scheint nichts davon zu ahnen, dass er da ist, ihre Augen sich zu einem Grün verfärben, dass sie noch nie hatten, wenn sie ihn bei sich wusste.

Die Attitüde dieses Erzählens, weltmännisch, distanziert und wenn leidend, doch eben an einem eigenen Ich, das man nicht gern entblößt, oder wenn, dann nur Momente lang, bringt es mit sich, dass man so gut wie gar nichts, außer dass eingeborene verdorbene Kinder mit im Spiel sein müssen, darüber erfährt, was nun genau der Inhalt der grausamen Ausschweifungen der Geliebten ist.

Erzähler und Held werden sonderbar identisch: sodass, wovon der leidende Liebende keine Vorstellung hat, denn die Frau schweigt und lässt ihn nicht an sich heran, nun auch der Erzähler nichts erzählen kann, dies aber zugleich mit der Geste dessen, der mit solchen Dingen auch niemanden bloßstellen wollen würde, und auf keinen Fall die Frau, die er dann lieber noch umbrächte - eine nicht ganz bequeme Haltung, sowohl für den Autor als auch für den Leser, der darüber nun allmählich, ganz in dem Maße, in dem sie ihm entgleiten, jene Sentenzen vermisst, mit denen der Autor ihn anfangs so hübsch bei der Stange gehalten hatte.

Aber außerordentlich brillant, ehe solche Ermüdung wahrgenommen werden könnte, gibt der Erzähler der Realität, der Welt wieder Raum, die er wirklich kennt. Der Held, der seine Geschäfte vernachlässigt, wird abgelöst, die Frau, wie jener, der nichts gefragt werden will, sonst muss er verschwinden, verschwindet, als er sie alles fragen will, und er geht nach Sibirien oder China. Und dort dann - aber das reicht jetzt, das Büchlein hat dann nur noch wenige Seiten, und man muss sich ja auch fragen, ob er die Frau einmal wiedersieht, und wenn: Wird sie dann wissen, wer er war? Wird er ihr von China oder Sibirien erzählen?

Wenn Morand Jünger wäre, wäre das alles auch eine Allegorie für seine politischen Missgeschicke, aber wahrscheinlich haben sie doch bloß diniert - jedenfalls wurde Morand dann noch, ein Greis nun, in die Academie Française aufgenommen, ein Unsterblicher seither.