Mit 28 spuckte er Blut. Er litt an Lungenschwindsucht, das ging damals, Mitte des 19. Jahrhunderts, meist böse aus. Der Theologiestudent Sebastian Kneipp aber überlebte. Weil er sich in die Donau stürzte. Immer wieder. In den eisig kalten Fluss. Danach war er gesund, lebte noch 48 Jahre und starb am 17. Juni 1897 um 4.30 Uhr in Bad Wörishofen, als "Wohltäter der Menschheit", vom Papst zum Monsignore erhoben, von Tausenden verehrt. Priester wollte er schon als Kind werden, als er in ärmsten Verhältnissen im Allgäu aufwuchs und Vieh hüten musste. Am 17. Mai 1821 war er in der Nähe von Ottobeuren geboren worden, als Sohn eines Webers. Und trotzdem schaffte er es, sich seinen Berufswunsch zu erfüllen: 1852 feierte er seine Primiz in der Basilika des heimatlichen Ottobeuren. Drei Jahre später war er in Wörishofen. Als Beichtvater der Dominikanerinnen – und dann als Wasserheilkundler. Seine eigene Rettung hatte er nicht vergessen, und so entwickelte er die damals bekannten Wasserbehandlungen ganz erheblich weiter. Bis zu 300 Kranke untersuchte er bisweilen an einem einzigen Tag, verordnete Blitzguss und Wickel, zog bei schweren Fällen Fachärzte hinzu und wurde dennoch mehrmals der Kurpfuscherei angeklagt. Das Establishment wehrte sich. Dem Erfolg Kneipps tat das keinen Abbruch. Außer nur in der Kirche von der Kanzel zu sprechen, hielt er Vorträge, schrieb Bücher, die Bestseller wurden: "Meine Wasserkur" erreichte innerhalb von ein paar Jahren 63 Auflagen, wurde in 14 Sprachen übersetzt. Wörishofen machte er zum Wallfahrts- und Kurort. Bis November 1890 reisten bereits über 5000 Gäste an. Aus allen Erdteilen eilten seine Anhänger herbei, er predigte ihnen Mäßigkeit. Der Naturapostel war Mode, seine Exotik als manchmal deftig-grober Fitness-Prediger und Frischluftfreak zog die feinen, nervös kränkelnden Damen, eingeschnürt in Korsett und Stiefelchen, ebenso an wie die wohlsituierten, gut genährten Herren. Geradeheraus erkannte er das Grundübel seiner Klientel: "Fressen und saufen wollen sie alle, aber sterben will keiner."

BÜCHER:

Sebastian Kneipp: "Meine Wasserkur/ So sollt ihr leben. Die weltberühmten Ratgeber in einem Band".
Ehrenwirth Verlag 2002, 499 S., 9,90 Euro

Eugen Ortner: "Sebastian Kneipp. Seine Lebensgeschichte"
Ehrenwirt Verlag 1994, 283 S., 9,90 Euro

Hans Horst Fröhlich: "Sebastian Kneipps Kräuter- und Naturgarten"
Franckh-Kosmos Verlag 2002, 160 S., 14,90 Euro

Gerhard Riedel: "…und meinte Sebastian Kneipp".
Kneipp Verlag, Bad Wörishofen 1998; 73 S., 7,– Euro