Es ist enttäuschend, dass ein sozialdemokratischer Kanzler nicht den Mut hat, zwei Schritte zu tun, die am meisten in die Kassen brächten und zugleich in höchstem Maß sozial wären, indem sie den Faktor Arbeit verbilligten und so zur Basis neuer Arbeitsplätze würden.

Der erste Schritt: endlich alle Einkommensarten zur Sozialversicherung heranziehen. Wer zum Beispiel 40 000 Euro Jahreseinkommen aus abhängiger Arbeit als Angestellter hat, zahlt daraus ganz selbstverständlich Sozialversicherungsbeiträge. Wer dasselbe Einkommen aus Kapitalvermögen bezieht, zahlt keinen Pfennig. Den gegenwärtig 1,5 Billionen Euro öffentlicher Schulden stehen rund 8 Billionen Euro Nettoprivatvermögen gegenüber.

Der zweite Schritt: endlich alle Einkommensbezieher zur Sozialversicherung heranziehen - egal, ob Arbeiterin, Angestellter, Beamter, Selbstständige oder Freiberuflerin! Die Schweiz liefert hierfür ein kostengünstiges und gelingendes Beispiel und senkt so ganz erheblich die Lohnnebenkosten - auch für alle! Die geplante Auswirkung der Bezugsdauerkürzung beim Arbeitslosengeld ist fatal und steht in keinem Verhältnis zu den über Jahrzehnten einbezahlten Beiträgen der Versicherten.

Wolfgang Sartorius, Bönnigheim

Sowohl die Regierung als auch die Opposition kann man nur noch als politisch paralysiert wahrnehmen. Gibt es denn beiderseits überhaupt noch stringente innen- und außenpolitische Perspektiven, die sagen, wie und wo es mittel- und langfristig längs geht? Ganz offensichtlich nicht, sonst würde man die Bundesrepublik, wirtschaftlich gesehen, nicht als "europäisches Schlafwagenabteil" charakterisieren.

Sven Lauritzen, Mannheim

Herr Herz erwidert auf die Einwände gegen die jüngsten Reformvorschläge, dass für die Betroffenen am Ende mehr herauskomme, als sie jetzt verlören. Die Logik, die er dafür anführt, ist im Grunde richtig, nur wird sie nicht wirksam werden. Warum? Weil es die Logik einer vergangenen Generation ist.