Zwei Schurken im Visier

Der amerikanische Feldzug im Irak ist gerade zwei Wochen alt, schon lautet die bange Frage: Wer ist als Nächster dran? Wir!, wir!, rufen die Nordkoreaner. Als könnten sie es gar nicht abwarten, testen sie eine Rakete nach der anderen. Aber Washington ignoriert alles Gezeter aus Pjöngjang und stuft die Nuklearkrise in Fernost zur Regionalaffäre herab.

Stattdessen nimmt die Regierung Bush zwei andere Lieblings-Schurken ins Visier: Syrien und Iran sehen sich als nächste Anwärter auf die versprochene mittelöstliche Demokratisierung akut bedroht.

Gleich drei Warnschüsse innerhalb von vier Tagen - die Regimes in Damaskus und Teheran täten gut daran, sie ernst zu nehmen. Wenn Donald Rumsfeld den Syrern Rüstungslieferungen an den Irak vorwirft und sie warnt, Amerika sehe darin einen "feindlichen Akt" - wenn Colin Powell Damaskus anklagt, es unterstütze das "sterbende Regime Saddam Husseins" - wenn schließlich Condoleezza Rice den Syrern und den Iranern ihre Unterstützung der Hisbollah vorhält und die "Achse des Bösen" zitiert - dann kündigt sich zwar noch keine neue militärische Front an - dann fährt die Propaganda aber schon bedrohliche Geschütze auf.

Bedrohlich deshalb, weil Syriens Unterstützung des internationalen Terrorismus leichter zu beweisen ist als Saddam Husseins Zusammenarbeit mit al-Qaida - weil im Falle Teherans eine Verbindung zwischen Terror und Massenvernichtungswaffen plausibler herzustellen ist als im Falle Bagdads.

Bedrohlich sind Amerikas Warnungen aber nicht nur, weil die Gefahren real sind. Sondern weil im Herzen des Präsidenten ein heiliges Feuer brennt.

George W. Bush glaubt an die neokonservative Vision einer Demokratisierung der arabischen Welt. Ein befreiter Irak als Leuchtfeuer für die nicht weniger nach Freiheit dürstenden Nachbarländer: Das ist sein vornehmstes Kriegsziel.

Tag der Freiheit in Damaskus und Teheran! Wäre er nur friedlich zu erreichen.

Zwei Schurken im Visier

Syrer und Iraner aber werden ihre Befreier aus dem Westen so wenig mit offenen Armen empfangen wie die Iraker. Den Mittleren Osten destabilisieren, um ihn zu demokratisieren? Kein Erfolgsrezept, wie Amerika weiß. Seit Vietnam.