Hilfsorganisationen im Irak wehren sich: "Wir wollen nicht die fünfte Kolonne der Koalitionsarmee sein"

Irakischer Oppositionsführer Kanan Makiya: "Die Bomben sind Musik in meinen Ohren"

Das Dosenpfand beschert den Bundesländern in diesem Jahr voraussichtlich Steuerausfälle von fast 67 Millionen Euro, schreibt DIE ZEIT. Weil die Deut-schen seit Jahresbeginn weniger Bier trinken, sinken die Einnahmen aus der Biersteuer.Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Marke und Verpackung Deutscher Brauereien (AMV) ist der Bier-Absatz im Januar und Februar um 8,2 Prozent zurückgegangen. Der Deutsche Brauerbund rechnet nicht damit, dass sich der Konsum im Verlauf des Jahres erholt. Parallel dazu dürften die Einnahmen aus der Biersteuer sinken, die den Ländern zustehen. Im vergangenen Jahr lagen die Steuern noch bei rund 811 Millionen Euro.Die humanitären Organisationen in der Golfregion wehren sich gegen Pläne der US-Regierung, die Hilfe für die Not leidende Zivilbevölkerung im Irak vom Militär dirigieren zu lassen, berichtet DIE ZEIT. In Kuwait-Stadt soll ein eigens einge-richtetes Humanitarian Operation Center (HOC), besetzt mit 50 amerikani-schen, britischen und kuwaitischen Regierungsbeamten und Militärs, die Ein-sätze der zahlreichen privaten Hilfsagenturen und UN-Organisationen im Irak lenken. Das HOC untersteht der staatlichen amerikanischen Hilfsagentur USAID, die auch den Wiederaufbau des Landes koordinieren will."Koordination durch die HOC, ja", sagt Ed Schenkenberg vom Internationalen Rat freiwilliger Hilfsagenturen (ICVA) in Genf der ZEIT, "Lenkung, nein." Die humanitären Helfer fürchten, ihre Neutralität zu verlieren und damit die Fähig-keit, so genannte "frontline operations", also Einsätze über die Frontlinien hin-weg, durchführen zu können. Eine Instrumentalisierung der Helfer berge die Gefahr, dass diese künftig nicht mehr von Kombattanten unterschieden werden könnten. "Wir wollen nicht die fünfte Kolonne der Koalitionsarmee sein", sagt ein UN-Mitarbeiter.Das Flüchtlingshilfwerk UNHCR rechnet mit Massenfluchten aus dem Irak, so-bald die Bombardements der Städte nachlassen. Mitarbeiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen, die noch in Bagdad ausharren, berichten, dass sich in der Stadt Stresserkrankungen infolge dauernder Todesangst häufen. Dazu zählten auch Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Kanan Makiya, der führende Kopf der irakischen Exil-Opposition in den USA, warnt in der ZEIT davor, die Schwierigkeiten einer Demokratisierung des Iraks zu unterschätzen. Die amerikanische Regierung spreche zwar oft von "Befrei-ung", vermeide aber den Begriff "Demokratie" und scheine auch keine klaren Vorstellungen von einer demokratischen Neuordnung des Landes zu haben, das nicht nur von Saddam Hussein, sondern von den totalitären Strukturen der Baath-Partei beherrscht werde. Voraussetzung für einen demokratischen Wan-del wäre laut Makiya eine "De-Baathifizierung" des Landes nach dem Vorbild der Entnazifizierung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg.Trotz seiner Skepsis gegenüber der amerikanischen Regierung verteidigt Ma-kiya den Krieg gegen das Regime, das sein Land "in ein riesiges Konzentrati-onslager" verwandelt habe: "Die Bomben sind Musik in meinen Ohren."Kanan Makiya: "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass einige von uns sich im Ausland vorstellen, man könne hoch oben auf einem amerikanischen Panzer im Irak einmarschieren, erhaben über den Gestank der verrotteten Verhältnisse, ohne knietief in der Scheiße zu waten."Kanan Makiya ist Professor an der Brandeis Universität und Autor der maßgeblichen Studie über das irakische Terrorsystem („Republic of Fear“), die ihm den Ruf eines „arabischen Solschenitzyn“ eingebracht hat.Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Verena Schröder, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/ 3280-217, Fax: 040/ 3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. schröder@zeit.de) gern zur Verfügung.