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Er ist ein erfahrener Pädagoge, der weiß, dass Deutschlands Bildungssystem reichlich zu wünschen übrig lässt. Eine anerkannte Gelehrtengesellschaft hat ihm seine eigenen Beobachtungen in einem aufsehenerregenden Gutachten bestätigt: Viel zu viele deutsche Schüler verfügen nur über eine rudimentäre Lesekompetenz; die wenigsten greifen zum Buch. Ein großer Prozentsatz des Nachwuchses beginnt zu spät mit dem schulischen Lernen, Kinder aus Randgruppen, arme Kinder vor allem, werden nicht angemessen gefördert. So ist er überaus erleichtert und erfreut, als er sein Reformprogramm, das er experimentierend entwickelt hat, endlich, endlich einmal in Gänze verwirklichen darf – an einer Modellschule im anhaltischen Dessau.

Der Schulmann Johann Bernhard Basedow indes, von dem hier die Rede ist und dessen Kritik am deutschen Schulsystem uns so erstaunlich vertraut erscheint, lebte und wirkte bereits vor weit mehr als 200 Jahren. Es klingt kurios, aber viele der Reformvorschläge, die heute in den Analysen der Pisa- oder Iglu-Studien auftauchen, konnte Basedow schon im 18.Jahrhundert über einen längeren Zeitraum hinweg in aller Ausführlichkeit erproben. Dabei sammelte er eine Menge Erfahrungen, aus denen wir heute noch manches über die Möglichkeiten und Grenzen einer sinnvollen Reform des Schulunterrichts lernen können. Wie also sahen seine Ideen aus, und, vor allem, wie erfolgreich war er?

Am Anfang steht das eigene Schülerleben. Denn an den Zumutungen und Zwängen des deutschen Schulbetriebs reibt sich Basedow, geboren am 11. September 1724 in Hamburg, bereits als 15-jähriger Pennäler. Sein Vater, ein Perückenmacher und Bleicher aus Lübeck, hat ihm im Vorschulalter das Lesen und Schreiben lateinischer und deutscher Schrift sowie die lateinischen Deklinationen und Konjugationen beigebracht; zu Ostern 1732 wird der Junge in die Hamburger Gelehrtenschule des Johanneums aufgenommen. Doch an dem damals bedeutendsten Erziehungsinstitut der Stadt kann der begabte und ehrgeizige Schüler – nach schnellem Durchschreiten der ersten Klassen – nicht so rasch vorankommen, wie er gewillt ist. Gleich mehrfach muss Basedow, schon mit 13 Jahren in der Oberprima, diese letzte Klasse wiederholen. Sein Gesuch, das dem Johanneum eng angeschlossene Akademische Gymnasium (eine Art Hochschule) besuchen zu dürfen, wird von Johanneumsdirektor Johann Samuel Müller Jahr um Jahr abschlägig beschieden. Heimliche Absicht des Schulleiters ist es nämlich, dem Niveau der obersten Klassenstufe durch das möglichst lange Verbleiben der guten Schüler aufzuhelfen.

"In dieser Zeit des müßigen Wartens", schreibt Basedow später, "verzweifelte ich an dem weiteren Fortschritte meiner Studien, und da mir mein Vater nicht erlaubte, dieselben mit irgendeinem anderen Geschäfte zu vertauschen, so reiste ich ohne Vorwissen meiner Eltern nach Amsterdam, um mich dem Handel zu widmen." Gleich nach seiner Ankunft in Holland heuert der junge Ausreißer auf dem Schiff einer Handelsgesellschaft an, das Ziel heißt Indien. Doch ein heftiger Sturm macht den Plan zunichte, noch in der Nordsee kentert die Bark. Ein mitreisender Kaufmann, der wie Basedow gerettet wird, kann den Jungen dazu bringen, nach Hamburg zurückzukehren, ans Johanneum.

Die erleichterten Eltern dringen jetzt darauf, dass ihrem Kind ein besseres Fortkommen ermöglicht wird. Tatsächlich darf Basedow denn auch im Sommer 1743 ans Akademische Gymnasium überwechseln. Hier wird der große Orientalist und Philosoph Hermann Samuel Reimarus sein Lehrer, ein Mann, der ihm Sympathie und viel Verständnis entgegenbringt. In diversen Eingaben klagt Reimarus zudem Rektor Müller an, dass er die Schule zu einem Kerker mache. Die Hamburger Jugend, ohnehin schon in alles Fremde verliebt, werde nur noch heftiger in die Ferne gedrängt, wenn er mit einer falsch verstandenen Schuldisziplin die Schüler unnötig lange in ein und dieselbe Klasse zwinge und das Lernen zu einer freudlosen Sache verkommen lasse.

Reimarus fördert Basedow auch im Privatunterricht nach Kräften. Er macht ihn mit den Erziehungsgrundsätzen John Lockes bekannt, der gefordert hatte, dass das Lernen im besten Falle fröhliches Spiel sei: die wahre Kunst der Kindererziehung bestehe darin, diese als sport and play zu gestalten. Außerdem gibt Reimarus Basedow die aktuellen, seit 1741 erscheinenden Veröffentlichungen der Lateinischen Gesellschaft in Jena zu lesen, einer Vereinigung von Lehrern und Professoren, die sich einer grundlegenden Reform des Bildungswesens verschrieben hat. Nicht nur in Hamburg, sondern überall in Deutschland, mahnt die Jenaer Gesellschaft, setze der Unterricht in der Regel viel zu spät ein, verlaufe langwierig und für die Kinder äußerst beschwerlich. Gerade in den Lateinstunden würden die Schüler durch das dumpfe Einbläuen grammatischer Regeln regelrecht verängstigt, in den Klassenzimmern herrschten statt Freude am Lernen Rute und Stock. Außerdem bringe diese Art Unterricht überhaupt nichts: Allenfalls jeder 100. Schulabgänger sei auf seinem späteren Lebensweg in der Lage, die besten lateinischen Schriftsteller zu lesen, zu verstehen und flüssig zu übersetzen.

Basedow hat seine Lebensaufgabe erkannt. Nach einem kurzen Studienaufenthalt in Leipzig versucht er sich von 1749 an erstmals selbst als Hauslehrer auf dem einsam an der Ostsee bei Kiel gelegenen Gut Borghorst. Sein Brotherr, der aufgeklärte Landedelmann Josias von Qualen, vertraut ihm so sehr, dass er ihm bei der Unterweisung seines Sohnes völlig freie Hand lässt. Als Basedow feststellt, dass sein achtjähriger Schüler nur ein paar Passagen aus Luthers Katechismus lesen kann, die seine Mutter ihm notdürftig beigebracht hat, arbeitet er einen ehrgeizigen Lehrplan für das Kind aus.

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Zunächst bemüht er sich um die Lesefähigkeit seines Zöglings, der wie sein Vater Josias heißt. Doch schon bald beginnt Basedow mit ersten Lektionen in Latein; auf grammatische Übungen verzichtet er allerdings völlig. Im spielerischen Lehrgespräch, auf Spaziergängen nennt er die Tiere, die Pflanzen und Dinge, die ihnen begegnen, bei ihrem lateinischen Namen, beginnt mit einfachen Dialogen und wiederholt in kurzen lateinischen Fragen den gerade erworbenen Vokabelschatz. Als sein Zögling erfreuliche Fortschritte macht, geht Basedow dazu über, ihn im wahrsten Wortsinn über Gott und die Welt aufzuklären. Gemeinsam philosophieren sie über Sitten, Leidenschaften, Tugenden und Untugenden, die Phänomene der Natur, über den Schöpfer, dessen Weisheit und Macht, über den Umfang der Welt oder die Ausmaße der Kontinente und Meere.

Immer bemüht sich Basedow dabei um eine liebevolle Behandlung des Jungen. Er will einen lebensnahen Unterricht, aus dem Spiel heraus, sinnlich, anschaulich. Einen Unterricht, der ohne Gedächtnisdrill den Verstand schärft und das Kind zur Selbsttätigkeit anregt. Mit Weizenkörnern und Erbsen erklärt er die vier Grundrechenarten, und ganz handgreiflich demonstriert er die Lehre von den Brüchen, indem er Äpfel zerschneidet.

Bereits Ostern 1752, also im Alter von nur zehn Jahren, verfügt Josias, wie Basedow stolz verkündet, über einen Wissensstand, welchen man "sonst fast vor seinen academischen oder gymnasiastischen Jahren nicht" erreicht. "Wie viel hat nun die Methode, und wie viel die glückliche Fähigkeit des Schülers zu diesem Fortgange beygetragen?", fragt sich der Lehrer und antwortet sich selbst, "dieß sey zweifelhaft, aber es sey doch gewiß, daß eine jede Fähigkeit, sie mag so klein und so groß seyn als sie will, zum wenigsten drey mal eher und leichter, auf diese, als auf die gewöhnliche Weise etwas rechtes in den Anfangsgründen der Wissenschaften ausrichten könne."

Basedow hofft, sein Reformprogramm auch einmal an einer Schule erproben zu dürfen. Seine Leistungen als Lehrer, die "in ganz Hollstein landkundig" werden, tragen ihm im Januar 1753 eine gut dotierte Professur an der dänischen Ritterakademie zu Sorö ein. In Briefen an den ihm gewogenen dänischen Minister Johann Hartwig Ernst von Bernstorff wirbt er für eine Reform aller öffentlichen Stadtschulen im dänischen Herrschaftsbereich Schleswig-Holsteins. Bernstorff ist interessiert, versetzt Basedow 1760 ans königlich dänische Christianeum in Altona, wo er in den nächsten Jahren einen ausführlichen Plan zur Umwandlung des Gymnasiums in eine Musterschule entwirft. Allerdings zeigen seine konservativen Kollegen wenig Neigung, den Plan tatkräftig zu unterstützen.

Basedow stellt seine Pläne vorerst zurück. Er verlegt sich auf die Schriftstellerei. 1770 erscheinen in Altona die ersten Stücke eines realienkundlichen Elementarbuchs für die Jugend sowie das Methodenbuch für Väter und Mütter der Familien und Völker. Mit diesen Schriften zieht er die Summe seiner in zwei Jahrzehnten auf Borghorst, in Sorö und an der Elbe gesammelten Erfahrungen. Zugleich beschreiben diese Bücher probate Strategien für einen erfolgreichen Unterricht, die der Verfasser sowohl Eltern als auch Lehrern empfiehlt.

Die wichtigste Erkenntnis: Kinder sollen schon im Vorschulalter fürs Lesen interessiert werden, da Lesenkönnen der Schlüssel zum Lernerfolg in allen Fächern sei. Der Unterricht, der im Alter von vier oder fünf Jahren einsetzen kann, müsse aber unbedingt spielerisch und alltagsnah, als fröhliche Tätigkeit vermittelt werden, um Kinder nicht zu ermüden oder ihnen gleich zu Beginn das Lernen zu vergällen.

Eine schmackhafte Rosine zur Belohnung

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Versteht sich also, dass im Mittelpunkt des Basedowschen Elementarwerks das Kapitel Von allerley Spielen mit Kindern steht. Neben Gedächtnis- oder Suchspielen gibt es vielfältige Vorschläge für ein spielerisches Lesenlernen. "Man muß die Freyheit, nach ihrem Gefallen unschädlich zu spielen, den Kindern zwar nicht einschränken", betont Basedow, "aber ihr könnt machen, daß sie niemals andere Spiele wählen, als dazu ihr sie reizen wollt", also auch Buchstabier-, Silben- oder Reimspiele, mit denen das Lesenlernen beginnen soll. Als besonderen Anreiz empfiehlt Basedow, dass man den Kindern für richtig benannte Silben oder Reime auch durchaus eine "schmackhafte Belohnung" in Form einer "Rosine oder einem Stücke von einer Baumfrucht" reichen möge.

In einem nächsten Schritt sollen die Kinder sich selbst einen Lesekasten basteln, indem sie "von jedem Buchstaben etwa zwanzig groß genug abdrucken lassen, und einen jeden auf sehr dickes Papp-Papier kleben". Schon dieses Herstellen eigener Unterrichtsmaterialien hat seinen Wert und Sinn, darf aber nicht mehr als "täglich etwa eine halbe Stunde" in Anspruch nehmen. Auf dem Leisten des selbst gebauten Setzkastens lernen die Kleinen in wenigen Wochen lesen und "hernach auch die Buchstaben hinsetzen, die ein vorgesagtes Wort ausmachen, welches eine Vorübung des nachfolgenden Schreibens ist". Grundregel dieser täglichen Übung: "Nicht viel, aber mit Lust!"

Besonders liegt es Basedow am Herzen, Kindern immer wieder "aus einem Buche etwas Verständliches und Angenehmes" vorzulesen, sodass sie schließlich selber lesen möchten. Der Pädagoge entwirft kleine Geschichten für sein Elementarwerk , Geschichten, in denen die Kinder ihre Alltagswelt wiederfinden. Den berühmten Berliner Künstler Daniel Chodowiecki bittet er um Illustrationen, nach seinen eigenen Vorgaben, und Chodowiecki gelingen köstliche Kupfer.

Die Bücher werden rasch zu Bestsellern. Auch der junge, fortschrittlich denkende LeopoldIII. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau ist begeistert. Er beruft Basedow 1771 in seine Residenzstadt und bittet den Schulmann, dort seine schon lange ersehnte Modellschule für Schüler (ab fünf Jahren) zu errichten. Diese Schule, die Basedow nun "Schule der Menschenfreundschaft" oder, gräzisiert, "Philanthropin" tauft, öffnet dann auch wenige Monate nach Vollendung des Elementarwerks im Dezember 1774 in Dessau ihre Pforten. Sie wird zur wohl wirkungsmächtigsten Schulneugründung in Deutschland seit Errichtung des pietistischen Pädagogiums der Franckeschen Stiftungen in Halle 1696. Eine Besonderheit des Philanthropins ist zudem, dass es Kindern aller Konfessionen offen steht und auch Juden (oder "Mohamedaner") als gleichberechtigte Schüler zulässt.

Doch bei aller Unterstützung durch den Hof quälen Basedow Geldsorgen. Vor allem fehlt es an solventen Stipendiaten. Zwei Jahre nach der Gründung entschließt er sich deshalb, mit einer Art Schauexamen für sein Institut zu werben. Pädagogisch interessierte Geister aus dem ganzen Reich reisen an. Basedow prüft mit großem Pomp. Insbesondere glänzt seine jüngste Tochter Emilie durch erstaunliches Können – was umso bemerkenswerter ist, als das Institut eigentlich, der Zeit entsprechend, eine reine Jungenschule ist. Sie, die Sechsjährige, gibt auf lateinische Fragen der Gäste lateinische Antworten. Ebenso gewandt parliert sie französisch, erläutert Weltgeschichte und Geografie und erweist sich im Ganzen als bestes Beispiel für das erzieherische Talent ihres Vaters. Doch auch ihre älteren Brüder, die Basedow zunächst allein erzogen hat (seine erste Frau starb 1753 im Kindbett), nun aber zusammen mit Emilies Mutter, der dänischen Pastorentochter Gertrud Hammer aus Sorö, unterrichtet, stehen hinter den Leistungen des Mädchens nicht zurück.

Für Kant ist Basedows Institut "die Stammutter aller guten Schulen"

Der Eindruck, den diese Veranstaltung bei den zahlreichen Besuchern hinterlässt, ist überwältigend. Der Schriftsteller Johann Gottlieb Schummel lässt gleich einen begeisterten Bericht drucken – Fritzens Reise nach Dessau. Später allerdings zeigt er sich, wie manch anderer auch, skeptischer angesichts des philantropischen Idealismus. Dazu mag auch die Persönlichkeit Basedows selbst beigetragen haben: temperamentvoll, aufbrausend, reizbar und überhaupt etwas zum Prophetischen neigend.

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Doch der Spott und die Satiren, die den bald berühmtesten Schulmann Deutschlands und sein Institut treffen, sind nur die Begleitmusik eines beispiellosen Erfolges. Lehrer und Lehramtskandidaten in Scharen eilen herbei (1776 überlässt Basedow die Leitung für kurze Zeit Joachim Heinrich Campe), die Schülerzahl steigt sprunghaft von 20 auf 60 auf 150 Jungen. Goethe, der Basedow im Gründungsjahr des Instituts auf einer gemeinsamen Rheinreise kennen gelernt hat, bekundet im Herbst 1776 in einem Brief an Charlotte von Stein, dass er beständig über die Entwicklung der Schule auf dem Laufenden gehalten werden möchte. Moses Mendelssohn leistet dem Philanthropinum ideelle und finanzielle Unterstützung. In Königsberg sammelt Immanuel Kant Spenden und schickt ostpreußische Schüler nach Dessau. Für ihn ist Basedows Institut "die Stammutter aller guten Schulen". Tatsächlich gibt es nicht nur bald Ableger wie die berühmte Schule, die Basedows Mitarbeiter Christian Gotthilf Salzmann 1784 in Schnepfenthal bei Waltershausen in Thüringen gründet und die, in gewandelter Form, bis heute existiert. Es werden auch, schon von Mitte der 1770er Jahre an, die ersten öffentlichen Stadtschulen Deutschlands im Basedowschen Sinne reformiert, zunächst – von Preußens FriedrichII. persönlich gefördert – Neuruppin, dann Lippstadt; andere folgen.

Und obwohl die Dessauer Mutteranstalt den Tod ihres Gründers nicht lange überlebt, zeitigt die philanthropische Pädagogik bis weit ins 19. Jahrhundert hinein eine bemerkenswerte Wirkung, sowohl in Deutschland wie auch in Frankreich, Dänemark und der Schweiz. Dann jedoch gerät sie gegenüber dem Neuhumanismus, der Basedows Pädagogik als plattes Nützlichkeitsdenken diskreditiert, ins Hintertreffen. Das Prinzip der "Bildung" wird jetzt gegen das von Basedow angeblich ausschließlich verfochtene Prinzip der "Brauchbarkeit" ausgespielt. Erst um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, in der Epoche der Reformpädagogik besinnt man sich in Deutschland wieder auf den Mann aus Hamburg – bis der völkische Militärdrill der Nazis auch diese Ansätze zunichte macht.

Nach 1945 orientiert sich die Pädagogik in der Bundesrepublik zunächst weit mehr am Menschenbild Pestalozzis oder später an der antiautoritären Erziehungsmethode Rousseaus als an den Methoden Basedows. In der DDR stößt er zwar auf Interesse, doch letztlich passt er nicht so recht zum Leitbild der sozialistischen Erziehung. Bezeichnenderweise wird das historische Basedow-Grabmal in Magdeburg, wo der Pädagoge am 25. Juli 1790 gestorben ist, Mitte der fünfziger Jahre beim Abriss der dortigen Heilig-Geist-Kirche fast vollständig abgetragen. Nur Überreste blieben erhalten.

Dass dieses Denkmal jetzt (unter Verwendung der Originalteile) in der Nähe des urprünglichen Standortes wieder aufgebaut werden soll, steht im Einklang mit jener Wiederentdeckung der philanthropischen Pädagogik, die sich in der historischen Bildungsforschung seit den 1990er Jahren anbahnt. Da auch bekannte Versuchsschulen wie die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden oder die Bielefelder Laborschule mit einer Pädagogik des spielerischen Lernens seit vielen Jahren überdurchschnittlich gute Erfahrungen gemacht haben, wird das Interesse an Basedow – im Zeichen der Pisa- und Iglu-Studien – sicher weiter zunehmen.

Wer über seine Bücher hinaus mehr über diesen genialen Schulmann und seine Ideen erfahren will, der kommt übrigens im neuen Schulmuseum im Schloss Reckahn bei Brandenburg auf seine Kosten, das eine bemerkenswerte Ausstellung zur Geschichte der philanthropischen Pädagogik bietet: freundlich, anschaulich und farbig – ganz im Sinne Johann Bernhard Basedows.

Der Autor ist Historiker und lehrt an der Technischen Universität Berlin

Das Schulmuseum in Reckahn, Dorfstraße 23, ist geöffnet Di bis So 10 bis 17, Sa bis 18 Uhr; Tel. 033835/400 02

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