Viele aktive Vulkane köcheln still vor sich hin. Nur manchmal kochen sie – wie jetzt der Stromboli – über: Alle paar Jahre entfährt ihnen das Magma als flüssiges Gestein (Lava), sie spucken Lockermasse (Lapilli) in die Atmosphäre, oder sie versenken ihre Umgebung im Ascheregen. Der Vesuv dagegen ruht seit 1944. Seit 25000 Jahren ist er aktiv, und in den drei Jahrhunderten vor dem Zweiten Weltkrieg schüttelten ihn regelmäßig kleinere Eruptionen. Jetzt raucht nicht einmal der Pennachio in den Himmel, die auf vielen Gemälden verewigte Fahne. Verfestigte Lava steckt wie ein Pfropfen im Schlund des Feuerspuckers. Darunter staut sich ein Gemisch aus Gas und zähflüssigem Magma. Irgendwann wird sich der Druck in einer gewaltigen Explosion entladen. "Je länger der Schlaf, desto böser das Erwachen", sagt Lucia Civetta, die Direktorin am Osservatorio Vesuviano in Neapel.

In welcher Form die Ladung hochgehen wird, versuchen die Professoressa und ihre Mitarbeiter mithilfe einer Computersimulation zu ergründen. Diese zeigt eine 20 Kilometer hohe Säule aus Gas, Asche, Steinen und Lava. Der Staub verfinstert die Sonne, ein Regen aus Bimsstein und Asche prasselt auf das umliegende Land – 180 Kilogramm pro Quadratmeter. Bricht die gigantische Säule in sich zusammen, rast eine Lawine aus Gas und Asche auf die umliegenden Städte zu. Diese pyroklastischen Ströme sind über 800 Grad heiß und schneller als ein Formel-1-Rennwagen.

Um herauszufinden, wann sich die Katastrophe ereignen könnte, wird der Berg mithilfe von künstlichen Erdbeben tomografiert. An 150 Punkten fangen Messgeräte die Detonationswellen auf, die von einer halben Tonne Dynamit verursacht werden. Auf diese Weise richten die Forscher ihren Blick auf das Innenleben des Vesuvs und versuchen zu eruieren, wie viel explosiver Brei sich in den Erdkammern angesammelt hat.

Doch schon ein echtes kleines Beben unter dem Apennin könnte den Untergrund durcheinander bringen und die Apokalypse auslösen.