Auch wir haben natürlich schon aufregende Post erhalten. Hier und da waren sogar bebilderte Briefe darunter, Absender allesamt unprominent. Ganz anders verhält sich das bei den Briefen, die Rolf-Bernhard Essig und seine Frau Gudrun Schury aufgestöbert haben. Viele von ihnen werden gegenwärtig unter dem Titel Bilderbriefe - Illustrierte Schreiben von Dichtern und Malern im Museum für Kommunikation in Frankfurt ausgestellt (bis 27. April - als Buch Illustrierte Grüße aus drei Jahrhunderten im Knesebeck Verlag). Sie zeigen, was im Medium Brief möglich ist: Goethe zeichnet für Auguste Gräfin zu Stolberg sein karges Studierzimmer, Lyonel Feininger sendet eckige Galeriebesucher an Gerhard Marcks, und F. W. Bernstein verbeugt sich mit einer Skizze seiner selbst vor Herbert Rosendorfer. Besonders schön ist ein Brief von Christoph Meckel. Am 16. Oktober 1974, sechs Tage nach dem Tod von Marie Luise Kaschnitz, sendet er ihrer Tochter Iris Schnebel ein Beileidsschreiben. Als Briefkopf zeichnet er ihr anstelle des üblichen Trauerrands ein fröhliches Kinderbild mit lachender Sonne. Auch George Grosz und Sarah Kirsch, Wilhelm Busch und Else Lasker-Schüler verließen sich nicht allein auf Worte. Dasselbe gilt für die notorischen Bilderbriefschreiber Horst Janssen und Peter Rühmkorf. Bildergeschichten, Kritzeleien, Selbstporträts und Karikaturen umrahmen ihre Briefe, werten sie auf, machen sie besonders. Die Exponate reichen vom Jahr 1775 bis 2002. Aber ganz egal, ob mit Feder und Tinte oder am PC entworfen, des Aufhebens wert sind sie alle.