Das hätte ihm gefallen, dem Altenberg, Peter aus Wien: 750 Objekte in 50 Vitrinen bei zwei Ausstellungen zu Leben und Werk in seiner Heimatstadt, dazu noch 222 Kunstdruckseiten eines monumentalen Bildbandes zur Biografie - und alles dreht sich nur um ihn, die Legende des idealtypischen Kaffeehausliteraten, mit dem sich Morbidität und Modernität von Kultur- und Sozialgeschichte der Jahrhundertwende vorführen lassen. Er war nicht nur Narr und Original. Der 1859 als jüdischer Richard Engländer geborene Sonderling nannte sich in Selbsthass gut arisch Altenberg, Peter und ging in die Literaturgeschichte ein mit seiner Ästhetik des Augenblicks: ein Meister der kleinen Form, des Splitters und der Miniatur, der einen Menschen in einem Satz beschreiben und "kurz die Ewigkeit" erzählen wollte. Hoch geschätzt von der intellektuellen Creme seiner Zeit, Klimt, Kraus, Schnitzler, Schiele, Mann, Musil, schnorrte sich der Egomane mit konstitutioneller Unfähigkeit zum Broterwerb durch die Branche, Selbstdarsteller und Eremit, Einzelgänger und Kommunikator, Vegetarier und Alkoholiker, der sich beim Kleinen Braunen schon mal das Schwadronieren honorieren ließ. Die Frauen liebte er, besonders, wenn sie noch keine waren - unter 14 waren ihm die Mädchen am liebsten, vor allem, wenn er sie zur "freien Sexualität" erziehen konnte. Der Riss des historischen Wandels ging mitten durch ihn durch, gleichermaßen Feminist und Chauvinist, Jude und Antisemit. Die Ausstellung Extracte des Lebens im Jüdischen Museum Wien stellt ihn als soziales Wesen im öffentlichen Raum vor, rekonstruiert gar sein kleines Hotelzimmerchen, tapeziert wie zu Lebzeiten mit Nuditäten jüngeren Alters, für die nackten Sohlen die Ledersandalen des poetischen Ökos daneben. Das Wiener Literaturhaus stellt in seiner Schau Einem Schriftsteller auf der Spur nicht nur das 13-bändige Werk aus - von der Blitznotiz zum gebundenen Band wird das gesamte künstlerische Werden sichtbar (beide Ausstellungen bis zum 27. April 2003 - im Residenz-Verlag ist dazu ein Buch erschienen: Heinz und Victoria Lunzer: Peter Altenberg - Extracte des Lebens. Einem Schriftsteller auf der Spur, Salzburg 2003, 24,90 e). Auch sichtbar wird, dass "PA" selbst in seinem Journalismus immer der Dichter war.

Um seine prekäre Pädophilie drückt man sich, echt wienerisch, a bisserl herum - was dem Peter Altenberg bestimmt nicht gefallen hätte.