die zeit: Herr Professor Bos, nach dem miserablen Abschneiden bei Pisa erwarteten viele auch beim Grundschulvergleich Iglu Schlimmes. Nun ist es ganz anders gekommen. Haben Sie mit dem Ergebnis gerechnet?

Wilfried Bos: In keiner Weise. Als wir die deutschen Ergebnisse bekamen, wollte ich sie nicht glauben. Ich habe die Rohdaten deshalb alle noch einmal nachrechnen lassen. Doch das Ergebnis blieb gleich. Im Grunde sind nur drei Länder deutlich besser als Deutschland: Schweden, die Niederlande und England. Deren Grundschüler sind den unsrigen bis zu einem halben Jahr voraus. Der Abstand zu den restlichen Staaten ist nicht von großer Bedeutung. Die große Mehrheit der deutschen Viertklässler kann gut lesen.

zeit: Wie sieht es in Mathematik und den Naturwissenschaften aus?

Bos: Auch hier liegt Deutschland im oberen Bereich. Angesichts der Pisa-Ergebnisse…

zeit: …Deutschland lag in allen Fächern im unteren Mittelfeld, abgeschlagen von der Spitze.

Bos: …angesichts dieser Befunde ist das Iglu-Ergebnis eine Überraschung. Und es kommt noch besser: Der deutschen Grundschule gelingt es nicht nur, ihren Schülern im Durchschnitt ein hohes Leseverständnis zu vermitteln, sondern auch den Abstand zwischen den guten und schlechten Lesern relativ gering zu halten. Auch dieses Resultat läuft dem Pisa-Ergebnis völlig zuwider, wo Deutschland das Land mit dem größten Leistungsgefälle überhaupt war.

zeit: Und das Land, in dem die soziale Herkunft den größten Einfluss auf den Bildungserfolg hat. Wie sieht es mit der Chancengleichheit in der Grundschule aus?