Lesen ist der Schlüssel allen Lernens. Wer in den ersten Schuljahren nicht gut lesen lernt, wird Schwierigkeiten haben, später in der Schule zurechtzukommen. Die neue Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung, abgekürzt Iglu, testet deshalb die Fähigkeit von Viertklässlern, Texte zu verstehen. Ebenso wie die Pisa-Studie, an der Neunt- und Zehntklässler teilnahmen, geht die Iglu-Erhebung vom so genannten Literacy-Ansatz aus. Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass ein Schüler einen Text entziffern kann. Es wird geprüft, ob er ihn durchdrungen hat: Findet er die wichtigsten Informationen? Kann er aus ihnen die richtigen Schlussfolgerungen ziehen?

Außerhalb Deutschlands firmiert die Studie als Progress in International Reading Literacy Study (Pirls). Insgesamt wurden im Mai 2001 rund 150000 Grundschüler in 35 Staaten getestet. Zwar haben sich einige Länder, die bei Pisa sehr gut abschnitten – Finnland oder Japan –, bei Iglu nicht beteiligt. Dafür sind andere bildungsstarke Länder wie die Niederlande oder Singapur diesmal dabei. Nach Angaben des deutschen Iglu-Koordinators, Wilfried Bos, sind beide Ländergruppen deshalb miteinander vergleichbar. Der Professor für Bildungsforschung an der Universität Hamburg und sein Team ließen insgesamt 10600 Testbögen in 246 Schulen aller Bundesländer verteilen.

Darüber hinaus wurden die Schüler gefragt, was sie in ihrer Freizeit machen und was sie am liebsten lesen. Ebenso füllten Eltern und Lehrer Fragebögen aus; die Schulleiter gaben Auskunft über die Rahmenbedingungen ihrer Schule, etwa über den sozialen Hintergrund und die Muttersprache der Schüler. Damit wollen die Wissenschaftler herausfinden, welchen Einfluss die Herkunft auf den Schulerfolg hat.

In Deutschland ist die internationale Untersuchung – genauso wie Pisa – erweitert worden. Unter dem Titel Iglu-E wurden in zwölf Bundesländern neben dem Lesevermögen die naturwissenschaftliche und mathematische Kompetenz der Schüler abgefragt. Im Mathe-Test beschäftigten sich die Schüler unter anderem mit Zahlenreihen und Gewichtsmaßen. Im naturwissenschaftlichen Teil wurden sie zur Lebensweise von Tieren befragt. Weiterhin mussten sie Diagramme und Tabellen lesen.

Zudem gibt es für sieben Bundesländer eine erweiterte Stichprobe zur Lesekompetenz, die noch nicht ausgewertet ist. Sie soll Ende dieses Jahres Auskunft über die unterschiedlichen Lernniveaus in den beteiligten Bundesländern geben. Dann könnte man erfahren, ob Schüler in Bayern und Baden-Württemberg – ähnlich wie bei Pisa – bereits in der vierten Klasse ihren Klassenkameraden in anderen Bundesländern voraus sind. mjh