Sie meinen es ja gut mit uns Anlegern, die Manager der Deutschen Börse. Nur Unternehmen, die brav Quartalsberichte abliefern, dürfen in die oberste Liga der Börse - den neu geschaffenen Prime Standard - aufsteigen. Wer das nicht will, muss sich mit dem unterklassigen General Standard begnügen.

Porsche ist ein erstklassig geführtes Unternehmen und erfüllt alle Anforderungen für die erste Liga - bis auf eine. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will partout keine Quartalsberichte verfassen. Die Folge: Die Porsche-Aktie darf nicht in den Prime Standard, und hat damit keine Chance auf eine Notierung im Dax. Das aber will sich der streitbare Unternehmer nicht gefallen lassen - er klagt gegen die Deutsche Börse.

Die zentralen Argumente: Nur Quartalsberichte sicherten den Investoren das nötige Maß an Transparenz über die Unterehmensentwicklung, sagt die Deutsche Börse, und Porsche stemme sich gegen weltweit anerkannte Standards zum Anlegerschutz, die auch die EU-Kommission anstrebe. Die Sportwagenbauer dagegen sehen in den Vierteljahresberichten lediglich eine Scheintransparenz, die nichts über die langfristige Unternehmensentwicklung aussage und nur zu unnötigen Schwankungen der Kurse führe. Profitieren würden davon allein Banken und Aktienhändler.

Wir erinnern uns an den jüngst verblichenen Neuen Markt: Dort lieferten alle Unternehmen brav Quartalsberichte ab, und dennoch waren die Anleger mitnichten vor Betrug und Falschinformation geschützt.

Zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 2002 widmeten Freunde und Bewunderer Wiedeking ein Buch mit dem Titel Das Davidprinzip. Das passt: Schließlich hat der Porsche-Chef schon manche Attacke gegen übermächtige Gegner geritten, etwa gegen gut verdienende Autokonzerne, die Subventionen kassierten.

Auch dieses Mal sollte Wiedeking nicht aufgeben. Und wenn man sich in den Chefetagen der Wirtschaft umhört, steht er beileibe nicht allein, wie es die Deutsche Börse suggerieren will. Gegen den Unsinn des kurzfristigen Denkens ist jede Klage recht. Hektische Kursschwankungen, durch Quartalsberichte gefördert, schaden am Ende Anlegern und Beschäftigten. Transparenz drückt sich nicht in möglichst vielen Zahlen aus, sondern in einer klar kommunizierten Strategie, für deren Gelingen oder Scheitern ein Management einsteht. Ein fundierter Halbjahresbericht ist für eine Branche wie den Automobilbau, in der etwa Modellentscheidungen erst drei, vier Jahren später marktrelevant werden, aufschlussreicher als einige nackte Quartalszahlen.

Natürlich ist fraglich, ob "David" Wiedeking mit seiner Klage-Schleuder das Börsenregelwerk zum Einsturz bringt - aber auch Goliath wähnte sich seinerzeit schon als sicherer Sieger.