Ein Musterprozess war annonciert. Man denke: ausgerechnet Thomas und Florian Haffa vor Gericht, die Gründer und einstigen Herren des Medienkonzerns EM.TV. Glamouröse Symbolfiguren des mittlerweile moribunden Neuen Markts. Angeklagt des Kursbetrugs.

Sie, die einst Millionäre gemacht hatten, sollten nun für ihre Umtriebe am Neuen Markt büßen. Öffentlich geradestehen für den Hype Ende der neunziger Jahre - und den Absturz danach. Die Medien, die die beiden einst jubilierend begleitet hatten und so gewiss nicht unschuldig waren an der spekulativen Ekstase, bereiteten vor Prozessbeginn ein prächtiges Begräbnis vor.

Das ist es auch geworden. Überraschenderweise, wenn man den Verlauf des Verfahrens betrachtet, das wohl in der nächsten Instanz fortgesetzt wird.

Die Wirtschaftskammer des Landgerichts München kam jedenfalls zu der Überzeugung, dass die Brüder in einem Halbjahresbericht "unrichtige Angaben" über den Geschäftsgang ihres Unternehmens gemacht haben. Deshalb belegte sie beide mit Geldstrafen von 1,2 Millionen Euro (Thomas) und 240 000 Euro (Florian). Und da wird es kompliziert: Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Brüder eigentlich wegen Kursmanipulation auf Grundlage des Börsengesetzes ermittelt, aber verurteilt wurden sie schließlich wegen eines Verstoßes gegen das Aktiengesetz. Dem Kern nach handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Aber weil sie den Paragrafen 400 des Aktiengesetzes heranziehen musste, der besondere Verantwortung von Vorständen regelt, ist eine wirkliche Straftat daraus geworden. Die Verteidiger hatten Freisprüche beantragt, der Staatsanwalt acht Monate Haft auf Bewährung und millionenschwere Geldauflagen.

Sehr im Gegensatz zur öffentlichen Erwartung schien das Verfahren lange Zeit ohne großen Wert zu sein. Denn die Vorwürfe waren nicht gerade massiv. Und die juristischen Möglichkeiten verhießen, scheinbar, wenig Aufregendes.

Gerade noch rechtens, ...

Zu den Vorwürfen: Die Brüder Haffa hätten, so der Staatsanwalt, bei der Präsentation der Halbjahreszahlen für das Jahr 2000 und anderen Gelegenheiten, wie Road-Shows, ihre EM.TV reichgerechnet, um den Aktienkurs zu stützen. Keine Rede von Bilanzfälschung, Untreue etc. Die Fälle Comroad, Infomatec, Phenomedia oder Refugium, die schon abgehandelt sind, noch abgehandelt werden oder auf ihre Behandlung warten, wiegen weit schwerer. Es kennt sie nur kaum einer.