Man könnte dieses Auto mit Tur Tur, dem Scheinriesen, vergleichen. Tur Tur ist eine Figur in Michael Endes Geschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer, und das Bemerkenswerte an ihm ist, dass er von fern den höchsten Berg überragt, aber immer kleiner wird, je näher man kommt. Und am Ende stellt sich heraus, dass er gar nicht besonders groß ist.

Beim Nissan X-Trail ist es gewissermaßen genauso, nur umgekehrt.

Sitzt man in seinem Inneren - erhöht, wie es sich für einen Geländewagen gehört -, beeindruckt dieser Wagen sofort. Der Motor brummt vertrauenserweckend, im Cockpit ist Platz in Fülle, die Pedale stehen so weit auseinander, dass man sie notfalls in Gummistiefeln treten könnte, der Schalthebel wäre auch mit Handschuhen zu bedienen, sollten die Finger zum Beispiel noch klamm sein vom morgendlichen Ansitzen bei der Jagd. Gesetzt den Fall, man würde lieber im Auto selbst auf das Wild warten wollen, stehen außerdem ein beleuchteter Aschenbecher und ein beleuchteter Zigarettenanzünder zur Verfügung, in der Ausstattungsvariante Elegance überdies Sitzheizung, Glasschiebedach und edles Leder überall.

Doch der größte Luxus ist vielleicht das Gefühl von Sicherheit, das einem dieses Auto vermittelt: Es ist kein Grund zur Aufregung mehr, wenn einen einer dieser kleinen, verspoilerten BMW gefährlich schneidet oder wenn ein kleiner verirrter Mercedes drei Meter vor einem über die Ampel schießt, schon bei Rot, denn man ist ja schließlich in Berlin.

Es dauert nicht lange, da beginnt man, anderen aus der Gemeinde der Sport Utility Vehicles (SUV) unwillkürlich zuzunicken. Nicht übertrieben, nur andeutungsweise. Man versteht sich. Es ist immer schön, irgendwo dazuzugehören, und die Mitgliedschaft in einem anderen Upperclass-Club kann erheblich teurer kommen als ein X-Trail. Zumal dieser den Vorteil hat, dass man in ihm nicht ständig Zigarre rauchen oder Golf spielen muss.

Aber hier war die Rede von einem Scheinriesen.

Irgendwann nämlich steigt man doch aus dem Wagen, lässt die schwere Tür lässig ins Schloss schnappen, geht ein paar wiegende Schritte, lässt die imaginären hechelnden Jagdhunde im Kofferraum zurück, dreht sich noch einmal um, läuft ein paar Schritte. Und kommt zum Beispiel an einem Autohaus vorbei.