Ultra, der Held in Nestroys Revolutionsposse Freiheit in Krähwinkel, ist ein früher Spaßguerrillero. Als Abgesandter der europäischen Freiheits- und Gleichheitskommission reitet er in die Kleinstadt ein und trägt Regenbogenfahnen, wie sie noch niemand zuvor gesehen hat. Das wird, so glaubt man, die kosmopolitische Farbe sein. Da sei für jeden etwas dabei.

Die Bürgerschaft jubelt.

Die Idee, man könnte das liebste Utensil aller Sektierer, die Fahne, so herrichten, dass sie nichts mehr bedeutet und alle erfreut, brauchte 1848 wohl viel satirische Fantasie. Heute wäre Ultra auch jenseits von Krähwinkel ein Volksheld. Und wenn er daran gedacht hätte, das Farbmuster schützen zu lassen, könnte er sich fortan ganz dem Spaß hingeben. Die Regenbogenflagge mit Pace-Aufdruck ist von Italien aus als Friedenssymbol um die Welt gegangen. Mehr als zweieinhalb Millionen davon wurden in den vergangenen Wochen verkauft. Erwartet hatte das niemand, nicht einmal die Anbieter, italienische und mittlerweile auch deutsche Globalisierungskritiker, die auf Einzelversand an Getreue eingerichtet waren.

Für den Regenbogen spricht, dass jeder ihn mag. Unter allen Naturschauspielen, die sich nicht zyklisch wiederholen, ist er das harmloseste und verlässlichste. Nicht umsonst erwähnt die Bibel ihn bereits in der Schöpfungsgeschichte als Ausdruck des Bundes zwischen Gott und den Menschen, die nicht zuvor in der Sintflut ertranken. Auch in anderen Kulturen steht er für eine Brücke zum Himmel, für Versöhnung und Hoffnung.

Den Regenbogen beschworen viele - Gott, Rex Gildo und die Rolling Stones

Freilich ist ein solches Gutzeichen auch anfällig für Verkitschung, der zufolge der Regenbogen wie am Himmel so auch in der Kulturgeschichte immer nur kurz prachtvoll aufscheint, um dann wieder für lange zu verschwinden.

Seine größte Zeit war wohl die deutsche Romantik, in der er von den Himmelsanrufungen eines Clemens von Brentano über die umstürmten Höhen eines Caspar David Friedrich bis zum Märchen vom Topf voller Gold allgegenwärtig war. Ihr stand er nicht nur für die träumerische Liebe zur Natur, sondern auch für die Palette des Meisters, der sie erschuf.