Es soll Menschen geben, die, nach ihrem Wohnort befragt, nicht mehr Straße und Hausnummer nennen, sondern eine E-Mail-Adresse. Könnte schließlich sein, dass sie morgen schon wieder ganz woanders sind, weil die Arbeitswelt das so will. Es handelt sich bei diesen Menschen möglicherweise um High-Tech-Nomaden, nicht zu verwechseln mit Arbeitsakrobaten oder Jobhoppern.

Die einen ziehen von Job zu Job, immer auf der Suche nach dem noch besseren Angebot, die anderen basteln sich ihre eigene Berufsbiografie wie einen Flickenteppich zusammen, baumeln von einer befristeten Stelle zur nächsten, stürzen dann eine Weile in die Arbeitslosigkeit, rappeln sich wieder auf und wagen einen kompletten Neuanfang. Der Job fürs Leben ist zum Stoff für Geschichtsbücher geworden. Akademische Titel sagen kaum noch etwas über die Arbeit aus, mit der man später mal seine Brötchen verdient. Früher war der Arzt Arzt, der Architekt Architekt. Heute scheint das Ende eines Studiums gerade erst der Anfang eines großen Abenteuers zu sein. Da landet die Agrarwissenschaftlerin als Sachbearbeiterin hinterm Schreibtisch, die Biogeografin wird Veranstaltungsmanagerin und die Informatikerin macht plötzlich Musik und Filme. Für Auf Umwegen zum Erfolg mussten die Autorinnen Sibylle Kirch und Irene Scheda nicht lange suchen, um die Geschichten solcher Arbeitsakrobaten zu finden. Die Protokolle aus der Welt der ungeahnten beruflichen Möglichkeiten werden so manchen Absolventen Mut machen, die gerade selbst auf der Suche nach dem Job ihres Lebens sind, es wird sie anregen, neugieriger auf Unbekanntes zu sein. Das Buch leistet Orientierungshilfe, enthält Tipps für den Berufsstart, informiert über den Arbeitsmarkt für einzelne Fächergruppen und zeigt Möglichkeiten, wie sich Durststrecken und Berufswechsel realisieren lassen. Den Autorinnen ist ein gutes Buch zur richtigen Zeit gelungen, auch weil es jedem Arbeitsakrobaten klar macht: Dein Leben ist keine Ausnahme, es gibt Tausende, die auf ähnlich ungewohnten Pfaden wandeln. Allerdings wird bei diesen Berufsentwürfen das existenzielle Risiko immer höher sein als in einer sozial abgesicherten Festanstellung. Und die gesellschaftliche Anerkennung eines Arbeitsakrobaten wird leider auch noch eine Weile weit unter der eines Spitzenmanagers liegen.

Sibylle Kirch/Irene Scheda:

Auf Umwegen zum Erfolg

Akademiker jenseits der klassischen Karriere - Chr. Links Verlag, Berlin 2002 - 219 S., 14,90 e