Der See dampft, so kalt ist ihm. Das alte Strandbad ist noch geschlossen, grau hängt der Himmel über den Alpen. Nur sieht man die heute nicht. Kaiserinnenwetter: Sisi konnte es gar nicht schneeregnerisch genug sein, dann stürmte sie im Alleingang die Berge hoch, lief von Feldafing bis München.

35 Kilometer. Die bin ich mit der S-Bahn gefahren, nicht ganz so fein wie der kaiserliche Salonwagen, aber auch bequem und praktisch. Am Bahnhof Feldafing sind wir ausgestiegen, mein Rollkoffer und ich. Kaiserin Elisabeth hatte mehr dabei, sie kam mit großem Gefolge, 50 Menschen und 18 Pferden, 24 Sommer lang. Das elterliche Schlösschen in Possenhofen, befand man in Wien am Hofe, war nicht mehr standesgemäß für die Gattin vom Franz. Und so stieg sie fortan ab im großen Hotel Strauch im benachbarten Feldafing, das sich seit nunmehr 100 Jahren schon Kaiserin Elisabeth nennen darf – mit offizieller Genehmigung des Hofmarschalls.

Dort hab ich gewohnt wie die Kaiserin. Der rote Teppich führte mich die Treppen hoch zu meinem behaglichen Zimmer mit Blick auf den Starnberger See. Gut: Die Autos rauschten damals noch nicht über die Straße, die das Hotel vom Park trennt; den hat ein berühmter Preuße, Lenné, für König Max angelegt, seit den zwanziger Jahren schon ist er Golfplatz, einer der ersten im Land. Durch den Park mit seinen alten Bäumen kann noch heute jedermann laufen, nur stehen bleiben sollte man nicht, wie ein Schild warnt: "Vorsicht! Golfbälle von links."

Ansonsten scheint sich wenig verändert zu haben. Das Hotel, von außen eher einem Kasten gleich, entfaltet innen seinen ganzen Charme. Die Dielen knarzen, zum Glück, das finden die Besucher heute so romantisch, wie sie es vor ein paar Jahren störend fanden. Rausreißen sollten sie das ganze alte Holz, bekam die Familie zu hören, die das Hotel seit 100 Jahren betreibt, aber die Familie blieb zäh, auch jetzt, als das Haus renoviert wurde. Das hat vier Innenarchitektinnen gekostet. Denn eines wollte man auf keinen Fall: 70 Zimmer im sterilen Einheits-Adlon-Look. Noch immer wirkt das Haus so liebenswürdig altmodisch, dass man kaum merkt, wo das Alte aufhört und das Neue beginnt. Die Bäder in den Zimmern sind modern, es gibt Fernseher, ja, das wollen die Leute, aber es gibt keine Minibar. Zu Ostern wird Yoga geübt, und im Pferdestall, den Sisi seinerzeit hatte kacheln lassen, ist heute ein Fitness-Studio.

Am Morgen servierte mir ein ungarischer Kellner den Kaffee, stilgerecht im Kännchen mit Krönchen drauf. Zwei Tische weiter saß ein junger Mann, der sein Frühstücksbrötchen mit Messer und Gabel verzehrte. Ich blickte auf die alte Terrasse, über die Romy Schneider hätte kommen können. Die Schauspielerin hatte hier während der Dreharbeiten zu Viscontis Ludwig- Verfilmung logiert.

Am Nachmittag machte ich es mir im Ohrensessel in der Halle bequem, die eigentlich eher Salon ist, und genoss den Tee, weil ich genau wusste: Ich verpasse nichts, keine Sehenswürdigkeit, kein Museum. Die Feldafinger halten es nicht so eng mit der Kultur, weshalb die Sammlung des Feldafingers Lothar Günther Buchheim nun in Bernried ausgestellt wird; aber das ist auch nicht weit. Und am Abend kehrte ich, mit den Einheimischen, im holzgetäfelten Bierstüberl ein, wo man nicht nur König Ludwig Dunkel zu trinken bekommt, sondern auch hervorragenden Wein.