Angeblich muss die Mehrheit westlicher Männer lächeln, wenn sie das Wort Harem hört. Wie man das wohl herausgefunden hat? Die Information entstammt der Ausstellung Haremsfantasien und neue Scheherazaden, die im Centre de Cultura Contemporània de Barcelona gezeigt wird (bis 18. Mai). Fatema Mernissi, die Organisatorin der Ausstellung, würde mit diesem Lächeln sicher gern Schluss machen. In ihren Texttafeln geht sie vollmundig ideologiekritisch gegen die gezeigten männlichen Künstlerfantasien aus mehreren Jahrhunderten vor und stellt ihnen, wie zum Trotz, schließlich aktuelle Werke von Künstlerinnen aus dem Orient entgegen. Wir Frauen lassen uns nicht mehr einsperren! - so in etwa lautet der Schlussappell. Was zu beweisen war? Wohl kaum. Also kehren wir, ganz unaufgeregt, noch einmal zu den Haremsfantasien zurück und damit zum Lächeln. Denn das stellt sich unwillkürlich ein vor den schwülen Malerträumen voller Enthüllung und Bemäntelung. Enthüllt wird die fremde Frau, bemäntelt das eigene Begehren.

Sex ist natürlich ausgeschlossen. Stattdessen sieht man Frauen beim Tanz, mit und ohne Schleier, gern auch beim Bad oder in eine Art zweideutigen Ausruhens versunken, bei dem der nackte Körper relativ deutlich ruft: Sieh mich an, ich darf, ich will! Währenddessen blickt aus den Augen der Frau die lupenreine Unschuld. So wird man zu unreinen Gedanken gereizt, soll aber bitte selbst daran schuld sein - der Maler lehnt die Verantwortung ab. Die Gedankenreise in den Orient war ein Legitimationsmanöver fürs erotische Sujet. Manchmal reicht eine Wasserpfeife neben dem weißen Fleisch für die Kontextbildung. Aber ringelt sich nicht der Pfeifenschlauch um den Flaschenbauch wie einst die Schlange um den Apfelbaum? Der Hinweis auf die Sünde - auch ein Legitimationsmanöver. Wir gehen mit einem Lächeln.