Man hatte es von Ry Cooder immer erhofft, aber nie ganz bekommen: ein Amalgam aus Gitarrengeschichten und Sonnenuntergängen, ohne dass er selbst dahinter verschwunden wäre. Hier ist das nun in Vollendung zu hören: Kunst, Klischee und doch der unverwechselbare eigene Klang. Der amerikanische Gitarrist Bill Frisell ist zum Garanten wundersamer Filmmusik geworden. Die Bilder dazu sind hundertmal abgespeichert, von endlosen Highways zu einsamen Hotelzimmern. Der verschlissene Rhythmusteppich zur laid back-Couch in der Rezeption, Blues/Spirituals/Folksongs als Tagesmenü, der Begriff Americana weht durch die Edward-Hopper-Szenarien.

Nach vielen monothematischen Alben hat Bill Frisell nun eine Besetzung gefunden, die den Titel The Intercontinentals zu Recht trägt und doch nichts von anbiedernder Weltmusikvielfalt hat. Der Gitarrist, Schlagzeuger und Sänger Vinicius Cantuaria singt Brasilianisches, der Oud-Spieler Christos Govetas präsentiert Griechenland, der Perkussionist Sidiki Camara sein Afrika, Greg Leisz die unvermeidliche Steel-Guitar, und Jenny Scheinman bindet das Ganze mit ihrer Geige. Wie selbstverständlich verschmelzen Osten und Westen, schieben sich elektrische Gitarrendialoge über akustische Trommelgrundierung - und dann hebt die Gitarre Frisells wie eine Stimme ab, singt ihre Lieder von Farben und Tageszeiten, der Unterschied vokal-instrumental löst sich in Musik auf. Manchmal vergisst man sogar, welche Instrumente da gerade spielen. Der Name des Labels ist diesmal Programm: Eastwest/Nonesuch 7559-79661.

Eine Platitüde des Journalismus lautet: "Er weiß, wovon er spricht/singt/malt." In diesem Sinne: Bill Frisell weiß, worüber er nicht mehr reden muss. Frisell, 1951 in Denver, Colorado, geboren, hat seinen Schwebeklang seit 1981 durch viele Stile und freie Stimmungen geführt, bis er 1997 die verlorene Unschuld der amerikanischen Kunst- und Volksliedromantik wiedergefunden hat. Seine musikalische Anfangszeit zwischen 1981 und 1987 ist übrigens in einer hervorragenden eigenen Auswahl (Selected Recordings/ECM/:rarum V 014 198) erschienen. Nun kehrt sich die Richtung um, die Reduktion fächert sich wieder in die Stilbreite der Welt auf. Wo die letzten Alben allzu plakativ das Americana-Genre präsentierten, spielen die "Intercontinentals" ihre verschiedenen Rollen mit grandioser Weltläufigkeit.

Das Cover der CD ziert ein Receiver: roter Power-Knopf, Aux, Fono, Tape, AM, FM - was man so braucht, leicht verschabt sind die Knöpfe. Kein Hitech, keine Nostalgie. Der Plattenspieler auf der Schutzhülle verströmt dieselbe Selbstverständlichkeit: Er wird benutzt, aber nicht romantisiert. Geräte, die man liebt, weil sie zum Leben gehören - wie diese Musik.