Die Demokraten in der irakischen Opposition hatten große Hoffnungen auf die Grünen gesetzt. Man hegte die Erwartung, die Partei der Bürgerrechtler für die eigenen Ziele zu gewinnen: für einen föderalen, demokratischen, säkularen Irak. Gerade wer den Krieg als Mittel zum Sturz Saddam Husseins ablehnt, würde doch wohl an zivilgesellschaftlichen Alternativen zum Totalitarismus des Baath-Regimes interessiert sein? Und so wandte sich vor einigen Wochen die Koalition Demokratischer Irak, ein Dachverband der Exilanten, an die grüne Bundestagsfraktion mit dem Wunsch, eine Anhörung über Föderalismus und Entbaathifizierung zu veranstalten.

Man wurde kalt abgewiesen: Es gebe dringendere Probleme, etwa den Terrorismus und Palästina. Für Regimegegner, die teils schon Jahrzehnte im Exil verbringen, ist dies ein unverständlicher Affront. Sie erwarten gerade von Deutschland Hilfe beim Überwinden der Folgen ihrer Diktatur. Wer weiß, wie man's macht, wenn nicht die Deutschen? Wer sich wie die Grünen mit Saddam Husseins Gegnern nicht blicken lassen will, um nur ja nicht als Falke zu gelten, straft die Falschen. Nun rufen neuerdings auch kluge Grüne wie Katrin Göring-Eckhardt dazu auf, bei der "Stärkung der Zivilgesellschaft" im Irak und anderswo zu helfen. Europa könne dabei Vorbild sein. Weise Worte. Die Grünen-Fraktion aber hat mutwillig ihre Chance verpasst, selbst ein Beispiel zu setzen.