Achtzehntausend Bombenangriffe, 725 abgeschossene Tomahawk-Cruise-Missiles; mindestens 1200 getötete, weit über 5000 verwundete irakische Zivilisten, darunter grausam verstümmelte Kinder; viele tausend gefallene irakische Soldaten, 91 amerikanische, 30 britische Gefallene, die meisten durch "Friendly Fire": Dies war nach knapp drei Wochen die Bilanz des Krieges.

Wer solche Opfer in Kauf nimmt, der muss dafür überzeugende Gründe haben. Der trägt die Beweislast, dass es keinen anderen Weg gab als den Krieg. Der muss sich nach seinen Zielen fragen lassen: Rechtfertigen sie den Blutzoll?

Das erste Ziel hieß: Abrüstung. Der Irak, argumentierten die Befürworter des Krieges, verfüge noch immer über große Mengen an Massenvernichtungswaffen; zwölf Jahre lang habe er die UN-Inspektoren belogen und betrogen. Ein Schurkenstaat mit Giftgas, Todesviren und Atomplänen, der auch noch Terroristen von al-Qaida beherberge. Die größte Gefahr für den Weltfrieden zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Massenvernichtungswaffen in den Händen des internationalen Terrorismus – sie gehe vom Irak aus, mehr als von jedem anderen Land. Seit Kriegsbeginn ist davon wenig die Rede.

Suche nach der Smoking Gun

Aber der Satz, den George W. Bush vor dem Krieg in beharrlich wiederholte – langsam, jedes Wort betonend, meist den linken Ellenbogen leicht aufgestützt, die Zuhörer fest im Blick, dieser Satz hat sich eingeprägt: "Entweder Saddam rüstet ab, oder wir rüsten ihn ab." Bush duldete "keinen Zweifel", dass Saddam Hussein über ein diabolisches Potenzial verfüge: Anthrax und Botulinum Toxin, VX und Senfgas. "Waffen für den Massenmord" nennt der Präsident sie.

Die Geduld mit den Vereinten Nationen, die nach diesen Waffen suchen sollten, hatte Bush schnell verloren. UN-Chefinspektor Blix überkam am Ende das Gefühl, dass die Amerikaner "unsere Arbeit irritierte". In einem Interview zehn Tage nach Kriegsbeginn sagte Blix: "Wir haben ja niemals behauptet, dass [die Iraker] diese Waffen haben – die US-Regierung ist davon überzeugt und lässt jetzt selbst danach suchen. Bald werden wir es genau wissen."

Noch wissen wir nichts. Als am Montag dieser Woche Einheiten der 101. Luftlandedivision bei Kerbela in einem Landwirtschaftsbetrieb auf Fässer dubiosen Inhalts stießen und die ABC-Messgeräte anschlugen, spekulierte CNN sogleich: Sarin? Tabun? War dieser Fund, wie ein Reporter aufgeregt fragte, endlich die Smoking Gun? Oder lagerten hier doch nur Pestizide und Insektizide? Noch weiß man es nicht.

Die US-Regierung möchte nicht unter Rechtfertigungsdruck geraten. "Dies ist ein Krieg", wies Donald Rumsfeld einen Journalisten barsch zurecht. "Wir werden erst den Krieg gewinnen und dann nach Massenvernichtungswaffen suchen." Aber Spezialeinheiten fahnden bereits nach chemischen und biologischen Kampfstoffen. Mehrere hundert, vielleicht über tausend verdächtige Lagerstätten sollen sie erkunden. Ein knappes Dutzend haben sie bisher durchsucht. Ohne Ergebnis.