Kunstmessen sind mehr und mehr das teure Schaufenster geworden, das sich Antiquitäten- und Kunsthändler leisten müssen. Und so dreht sich in diesen Wochen wieder das Messekarussell in Köln und Brüssel (Art Brussels) und Ende des Monats in Frankfurt (art frankfurt). Der Auftritt auf den internationalen oder auch nationalen Märkten ist deshalb so wichtig, weil viele Händler und Galeristen ihren laufenden Betrieb gar nicht mehr anders finanzieren können. Das hörte man übereinstimmend auf dem Kölner Messedreiklang Kunst Messe Köln (Kunst und Antiquitäten, bis 13. April) und auf der KunstKöln (Editionen, Art brut, Fotografie und Kunst nach 1980). Anders sind die Verhältnisse bei den Büchern (Antiquaria). Der Platzbedarf ist nicht so groß, der Kostenaufwand entsprechend kleiner.

Anat Isman-Fänder, auf französisches und dänisches Silber spezialisiert, führt ein Geschäft sowohl in Hamburg als auch in München. An vier Messen im Jahr nimmt sie teil: Köln, München, Basel und Brüssel. "Es ist bitter, aber wahr", sagt sie, "meine Geschäfte muss ich für das Prestige aufrechterhalten, nur besucht sie kaum noch jemand." Am Eröffnungsabend der Kunst Messe Köln konnte sie auf der Beletage bereits Käufer für mehrere Silberobjekte von Frantz Hingelmann und eine frühe Lalique-Vase gewinnen.

Ein Stockwerk tiefer bei der KunstKöln verkaufte der Frankfurter Galerist Herbert Meyer-Ellinger zügig eine Folge von Auflagenblättern von Richard Serra und fand ernst zu nehmendes Interesse für ein frühes Chillida-Blatt und eine kontemplative Linienfuge von Brice Marden (50000 Euro). "Die Teilnahme an der Art Basel muss mir das Überleben der Galerie in den drei folgenden Monaten sichern, in denen erfahrungsgemäß gar nichts läuft", rechnet er vor.

Mit gemischten Gefühlen waren viele Aussteller an den Rhein gereist, um dort der unsicheren Entwicklungen im Irak und der Wirtschaftsflaute zum Trotz Flagge zu zeigen. Der Dresdner Gemäldehändler Johannes Döbele sah seine Bedenken bestätigt: "Sehr gedämpft" kam ihm die Grundstimmung am Eröffnungsabend vor. Gleichwohl ist Döbele sicher, über kurz oder lang einen Liebhaber für den Entwurf eines Wandgemäldes von Max Ackermann aus dem Jahre 1928 (Gedanken zur Kunst, 25000 Euro) zu finden.

Die Meinungen und Erfahrungen waren wie stets geteilt. Immer gut verkauft hat auf der KunstKöln der Berliner Galerist Michael Schultz. Das war in diesem Jahr nicht anders. Schon vor der Eröffnung trat er an einen Händlerkollegen für 2800 Euro ein raffiniert collagiertes und gemaltes Bild der 27-jährigen Koreanerin SEO ab, die derzeit bei Georg Baselitz studiert.

Als wären drei so unterschiedliche und in sich so diversifizierte Messen unter einem Dach nicht genug, wurden die einzelnen Bereiche mit Sonderschauen angereichert, die bei der KunstKöln im 200-seitigen Katalog immerhin 50 Seiten einnahmen: die "abcd"-Art-brut-Kollektion aus dem Besitz des französischen Filmemachers Bruno Decharme, die Fotosammlung des Rotterdamer Chemiekonzerns Caldic, die Einzelschau des KunstKöln-Preisträgers Jörg Sasse sowie die interaktive Schau zum 20. Geburtstag der einflussreichen Gesellschaft 235Media.

Ist der Art-brut-Sektor in Köln weltweit ohne Vergleich und erhält zunehmend Auftrieb auch durch eine erste erfolgreiche Chris-tie’s-Auktion in New York, sieht es für die Abteilung der Kunst nach 1980 nicht ganz so gut aus. Mancher Galerist schielte da neidisch nach Brüssel, wo durch eine Terminvorverlegung beide Messen fast gleichzeitig stattfanden. Allein 15 Galerien aus Köln fanden sich auf der Art Brussels unter den 145 internationalen Ausstellern. Aber auch auf dieser ganz zeitgenössischen Veranstaltung im Herzen Europas hatten nicht alle Händler Grund zum Jubeln. Immerhin konnte Andrée Sfeir-Semler eine neue Fotoarbeit von Balthasar Burkhard, Rio Negro, für 20000 Euro verkaufen. Heitere Mine setzt man bei Guy Bärtschi (Genf) auf: Indefinable patterns verkaufte sich bestens.

Bei Johnen + Schöttle (Köln) hörte man: "Es läuft langsam, aber irgendwie läuft es doch." Patrick Painter, aus Kalifornien mit großen Arbeiten von Mike Kelley und Paul MacCarthy angereist, nahm es locker: "Ich bin gerne unter Menschen, die mit Kunst zu tun haben, und ich habe mit vielen Kuratoren gesprochen und neue Kontakte geknüpft." Die speziell auf die aktuelle Situation in Amerika zugeschnittenen unverdaulichen Waffel- und Toast-Skulpturen von Jason Rhoades erregten bei Hauser & Wirth aus Zürich zwar großes Interesse, hatten jedoch als Ensemble bis zum vorletzten Messetag noch keinen Liebhaber gefunden.