Die Alarmsirenen heulen nicht mehr, seit Raketen die irakischen Radaranlagen zerstört haben. Bagdads Lichter gehen ohne erkennbaren Grund an und aus. Die Iraker müssen über Sensoren verfügen, die wir Westler nicht haben. Auf dem Markt sind Kanarienvögel der Verkaufsrenner: Sie sterben bei einem Giftgasangriff als Erste. Ein besonderes Alarmsystem: Sein Leben erlischt, um zu warnen.

Das Luftfahrtministerium ist schon mehrmals getroffen worden. Aus den Trümmern ragt zu unser aller Erstaunen die Statue Saddam Husseins. "Sie werden das ganze Land kaputtschlagen, außer einen Mann", sagt ein Iraker im Vorbeigehen.

Die Bomber haben sämtliche Kommunikationszentren ins Visier genommen. Bagdad hat keine funktionierenden Telefonleitungen mehr. Die Isolation nimmt zu.

Dienstag, 1. April

Hilla ist der alte Name von Babylon, der Hauptstadt des Reiches von Hammurabi und Nebukadnezar. Die Stadt liegt rund 60 Kilometer südlich von Bagdad. Je weiter wir kommen, desto mehr spüren wir die Nähe des Krieges. Die Schützengräben sind nicht mehr mit brennendem Öl gefüllt, sondern mit Männern und Waffen.

In der Eingangshalle des Krankenhauses drängen sich Verwundete, Ärzte und Betreuer. Der Boden ist über und über mit Blut bedeckt. In den oberen Stockwerken dasselbe Bild. Überall Verletzte. Vielen haben die Ärzte Gliedmaßen amputiert. Körper, die mit Wunden übersät sind. Blut, überall Blut. Keinerlei Desinfektionsmittel. Es stinkt fürchterlich.

Hamid Khalil Hamsa ist 21 Jahre alt. Er liegt in eine Decke eingewickelt im Bett. Sein Vater Khalil steht daneben. Ein Bein des jungen Mannes wurde zermalmt. Blut sickert aus einem provisorischen Verband. Sein Haus ist am Montag gegen Mittag bombardiert worden. In dem Nachbarbett hustet sich ein alter Mann die Seele aus dem Leib. Hamid zuckt jedes Mal zusammen.