Etwas staubig, einfach und freundlich sieht er aus, dieser letzte Ort vor der Ewigkeit in dem Film After Life des Japaners Hirokazu Koreeda. Wie das Zollhäuschen eines gut gelaunten Existenzialismus, der sich längst mit metaphysischen Sehnsüchten und den Widersprüchen des Tatsächlichen ausgesöhnt hat. Hier werden frisch Verstorbene von einem Beraterteam in Empfang genommen, um den wichtigsten Augenblick ihres Lebens zu ermitteln, ihn nachzudrehen und den Durchreisenden dann als ewige Erinnerung mit ins Jenseits zu geben. Der Zug an einer Zigarette irgendwo zwischen den Fronten im Zweiten Weltkrieg, das Wiedersehen mit einem Totgeglaubten, ein Pfannkuchen in Disneyland. Je nach Betrachter, zum Sterben schöne Augenblicke. In After Life werden sie alle zu filmischen Medaillons, die ihre Träger mit Vertrautem im großen Unbekannten beschützen sollen. Hirokazu Koreedas Film ist eine konzentrierte Betrachtung der letzten Dinge und allerletzten Fragen. Keine Kamerabewegung, keine Perspektive überhöht oder relativiert die Erinnerungsprotokolle. Effektorientierte Bilder gibt es erst bei den Studioinszenierungen der ausgewählten Momente. Doch die Mediatisierung des Gedächtnisses, die Konstruktionen der Vorstellungswelt im Kino und die auch nach Jean Cocteau, Roland Barthes und Susan Sontag noch viel beschriebene Affinität des Films zum Tod bestimmen diese Transitreise von Anfang an. Das macht aus After Life neben aller Existenzlehre vor allem eine Reflexion über das Medium als Erinnerungsapparat. Über eine Bildermaschine, die mit ihrem Spiel aus 24 Mal Licht und Dunkelheit pro Sekunde tatsächlich die ideale Reisebegleitung für das Schattenreich abgibt.