Im Laufe meines Lebens habe ich schon sehr viele Leute kennen gelernt. Etliche davon sind mir ans Herz gewachsen, seien es die Frauen, mit denen ich mal verbunden war, oder Musiker – Kollegen, aber auch andere Leute. Leute, die Freunde sind. Ich kenne also viele verschiedene Leute, und manchmal stelle ich fest, dass die ganzen Leute untereinander sich ja gar nicht kennen. Oder sich auch gar nicht nett finden vielleicht. Ich fände es schön, wenn sich alle mögen würden. Ich möchte alle meine Leute auf dem richtigen Weg wissen. Mein Traum ist, mit all denen in einer Siedlung zusammenzuleben. Wo man kurz beim Nachbarn klingelt und sagt, "Sach mal, kannst du mal kurz auf den Henry Acht geben?" Nachbarschaft eben.

Ich fände es schön, wenn sich viel mehr Menschen respektieren und verstehen würden, egal, was sie machen. Oder an was sie glauben, zum Beispiel. Ich bin ein Mensch, der Harmonie braucht. Und dazu stehe ich auch. Es gibt Leute, die das nicht gut finden. Aber das ist mir egal. Harmonie hat mit Vertrauen und Liebe zu tun. Und mit Stärke.

Starke Menschen müssen keinen Krieg führen, das tun die Schwachen, die nicht zusammen reden können, die nicht über ihren Schatten springen können. Natürlich ist es schwer, immer stark zu sein. Aber im Laufe eines Lebens hat man jede Menge Möglichkeiten, dazuzulernen und stärker zu werden.

Das fängt zu Hause an. Man sollte auch die Nachbarschaft pflegen. Es ist wichtig, sich da, wo man wohnt, wohl zu fühlen.

Ich bin gern nett zu den Nachbarn, und meistens sind die dann auch nett. Es wäre ein schöner Traum, wenn jeder nett zu seinen Nachbarn wäre. Man kann sich verstehen und respektieren, ohne dass man sich näher kennt. Ich sehe zum Beispiel gern, wenn mein Nachbar um 6.30 Uhr seine Fußmatte an der Laterne ausklopft und dabei ein Lied singt. Normalerweise müsste man sauer sein, weil der einen ja geweckt hat. Aber der weiß das ja nicht. Also, was soll’s. Man muss sich vertragen. Dem anderen auch helfen, stark zu sein. Wenn du Kinder hast, musst du ihnen das beibringen. Geradezustehen. Nicht sofort umzufallen, wenn mal was nicht gelingt. Tja, und so ist es im Leben, Gewalt ist eine Sache der Schwachen, die sich nicht anders zu helfen wissen; manche Leute wissen das zwar, handeln aber trotzdem mit Gewalt, wie wir zurzeit wieder erfahren. Aber so wird das nix.

AUFGEZEICHNET VON JÖRG BÖCKEM