Es hätte ein erfreuliches Jahr für die USA-Veranstalter werden können. Gerade begann sich der Tourismus, der nach den Terroranschlägen von New York zusammengebrochen war, wieder etwas zu erholen. Im Vergleich zu den, zugegebenermaßen schwachen, Vorjahreszahlen konnten die Reiseunternehmen in Sachen Amerika endlich wieder Positives berichten: Bei Dertour kletterten die wöchentlichen Buchungseingänge im Januar und Februar gegenüber 2002 ins zweistellige Plus, beim Branchenprimus TUI lag die Steigerungsrate für die Sommersaison bis vor drei Wochen noch bei etwa 30 Prozent. Auch bei Neckermann Reisen blühte das Geschäft auf: Die größte Marke der Thomas Cook AG verzeichnete in den ersten zwei Monaten 2003 "sehr gute Buchungseingänge".

Jetzt warf der Krieg die meisten Veranstalter zurück und bremste die Euphorie derer, die auf einen nachhaltigen Aufschwung gehofft hatten: "Das USA-Geschäft ist spürbar zurückgegangen", sagt TUI-Sprecher Robin Zimmermann. Auch bei Dertour heißt es nun: "stark rückläufig". Neckermann Reisen bestätigt ebenfalls Reisezurückhaltung in Richtung USA. Konkrete Zahlen will noch keiner der Veranstalter nennen. Aber die Sorge ist groß, dass der Sommer, die klassische Reisezeit für viele US-Regionen, zu einem erneuten Flautensommer werden könnte. Obwohl der Dollarkurs so günstig ist wie seit langem nicht und sich die Nebenkosten erheblich vermindert haben. Dank des Wechselkurses sind Hotelzimmer, Mietwagen und andere touristische Angebote bis zu 20 Prozent günstiger als vor dem 11. September 2001.

Gravierend ist der Passagierschwund auch auf den Nordamerikastrecken der Airlines. Betroffen sind nicht nur die amerikanischen, sondern auch die europäischen Fluglinien. Streckenstreichungen sind die Folge. So hat zum Beispiel Lufthansa eine vorgesehene Erweiterung der Ziele für den Sommerflugplan verschoben und mehrere Frequenzen in die USA eingestellt. Gestrichen wurden unter anderem Flüge nach New York, Boston, Dallas und Los Angeles. Die für den Sommerflugplan vorgesehene Langstreckenflotte wurde bisher um sieben Flugzeuge verkleinert. Aus Kulanz bietet Lufthansa, wie mittlerweile fast alle großen Fluggesellschaften, kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten. Das gilt selbst für Sondertarife.

Sorge bereitet den Fluggesellschaften vor allem der Einbruch im Geschäftsreiseverkehr. Viele Firmen verzichten schon seit der Zuspitzung der Krise darauf, ihre Mitarbeiter auf Reisen zu schicken. Oder sie erlauben dies nur in dringenden Fällen. Laut einer Blitzumfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) sind bei fast der Hälfte aller Mitgliedsunternehmen derzeit schon Reisebeschränkungen in Kraft. Bei 93 Prozent ist sogar ein generelles Reiseverbot geplant. Zu den 420 Mitgliedern des VDR gehören unter anderem Großfirmen wie BASF, Bayer, DaimlerChrysler, Eon, Schering, Siemens und Volkswagen. Insgesamt 116 Unternehmen nahmen an der Online-Untersuchung teil. Auffallend ist, dass zahlreiche Firmen gezielt auf Reisen in bestimmte Regionen verzichten. 84 Prozent der befragten Unternehmen reduzierten Reisen in den Nahen Osten, immerhin 29 Prozent strichen Flüge in die USA. Mehr als ein Drittel der Firmen gaben außerdem an, dass sie bei der Auswahl der Fluggesellschaft gezielt auf US-Carrier verzichteten.

Wie sich die Lage im Irak weiterhin auf den USA-Tourismus auswirken wird, ist nur schwer einzuschätzen. Die Veranstalter halten sich mit weiteren Plänen noch bedeckt. Es könnte jedoch sein, dass schon bald Billigangebote für die USA den Markt überschwemmen. Auch der Flug über den Atlantik könnte erheblich günstiger werden, sogar unter die magische Marke von 300 Euro für einen Transatlantikflug fallen. Wer keine Angst davor hat, in den Flieger zu steigen, der kann vielleicht schon bald attraktive Schnäppchen machen.