Eigentlich hätte Jórn Utzon ein Held des 20. Jahrhunderts sein können. Dem dänischen Architekten war das Undenkbare gelungen, er hatte ein Haus gebaut, das zum Inbild eines ganzen Kontinents wurde. Und vermutlich wäre er mit seiner Oper für Sydney, mit ihren freien, kühnen Bögen rasch zum Formenkönig aufgestiegen, zum Urahn der Gehrys und Libeskinds. Doch fehlte ihm die Kraft, alle politischen Intrigen und konstruktiven Schwierigkeiten durchzustehen.

Wutentbrannt verließ er eines Tages die Baustelle und kehrte nie mehr nach Sydney zurück. Seither lebte er mit dem Gefühl, an seiner eigenen Großtat gescheitert zu sein. Andere vollendeten sein Schuppengebirge, er selbst musste sich mit meist bescheidenen Aufträgen begnügen. Erst jetzt, mit 85 Jahren, holt man ihn, den Eigenbrötler, zurück ins grelle Licht der Weltöffentlichkeit. Er bekommt den Pritzker-Preis, den Nobelpreis der Architektenzunft - als späte Ehrung für einen tragischen Helden. (Sehr zu empfehlen ist der Prachtband Jórn Utzon von Richard Weston, erschienen im Nieswand Verlag für 148 Euro)